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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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445 Sozialistische Beiträge zur Nationalitätenfrage in Tirol und Südtirol 1890–1992 betrachteten die Anschläge mit Blick auf die Stabilitätsinteressen der Sowjet- union zudem in einem überregionalen Kontext. Beide Parteien unterstrichen im Anschluss an die Feuernacht 1961 die Unverrückbarkeit der Brennergrenze, die maßgeblich von bundesdeutschen Rechtsextremisten (zu denen Südtiroler BAS-Mitglieder effektiv Kontakte unterhalten hatten)87 in Frage gestellt würde, während die Mehrheit der Südtiroler Bevölkerung mit den Anschlägen nichts zu tun habe88. Gleichzeitig antworteten die Kommunisten auf die Anschläge mit Abhaltung einer italienisch-österreichischen Gewerkschaftsversammlung in Bozen, die als Zeichen der Völkerfreundschaft organisiert wurde. Innerhalb der Südtiroler Sozialdemokratie war die Ablehnung des Südtirolterrorismus weniger eindeutig. Die Führungsriege der Sozialen Fort- schrittspartei sprach sich offiziell klar gegen die Sprengstoffanschläge und für die diplomatische Lösung der Südtirolfrage im Sinne Kreiskys aus89, und war in diesem Zusammenhang auch bereit, Allianzen mit den italienischen Sozia- Schwierigkeiten, zerstören das Vertrauen und ruinieren sowohl materielle Güter wie auch die Moral der Bevölkerung. Die Anwendung von Gewalt entfesselt Repressalien, schafft eine Spirale des Un- heils und stärkt die Extremisten auf beiden Seiten. Ballardini, Die italienischen Sozialisten für Autonomie, o. S. 87 Gatterer, Südtirol und der Rechtsextremismus 301 ff. 88 Die deutschsprachige Lokalzeitschrift der KPI titelte im Anschluss an die Feuernacht: Naziverschwörung in Südtirol vom Grossteil der Südtiroler verurteilt! und veröffentlichte eine Resolution des Zentralkomitees der KPÖ: Wir Kommunisten sind stets für die Erfüllung der be- rechtigten Forderung der Südtiroler eingetreten. Die Kommunisten bekämpfen die Benachteiligung der Südtiroler bei der Wohnungszuweisung und bei der Arbeitsvermittlung, bei der Anstellung in den Staatsdienst und bei der Förderung der Landwirtschaft, im Schulwesen und beim Studium. (…) Die Auffindung eines grossen Lagers mit Sprengstoffen westdeutscher Fabrikation hat den neuerlichen Beweis dafür geliefert, dass die Drahtzieher und Ausbilder, die Hintermänner und Führer, die Spreng- stofflieferanten und Befehlshaber des Bombenterrors ihren Sitz in Westdeutschland haben. Von dort aus werden auch die Fäden der extremistischen Südtirolpolitiker in Österreich und in Südtirol ge- zogen. Die westdeutschen Militaristen verfolgen mit der Schürung des Südtirolkonflikts das Ziel, den Brandherd nicht löschen zu lassen, ihn stets neu anzufachen, jede friedliche Lösung zu verhindern, durch die ununterbrochene Aufpeitschung nationalistischer Leidenschaften einen immer stärkeren Druck auf die österreichische Regierung auszuüben um sie schliesslich bis zur Aufstellung der For- derung nach einer Revision der Grenzen durch Lostrennung Südtirols von Italien unter der Losung der „Selbstbestimmung“ zu treiben. (…) Damit würde Österreich den erwünschten Präzedenzfall für die revanchistischen Forderungen der Bonner Militaristen liefern, die mit der heuchlerischen Losung der „Selbstbestimmung“ ihre weitgehenden imperialistischen Annexionsforderungen gegen die DDR, die CSSR, Polen und die Sowjetunion erheben. Südtiroler Panorama (Bozen), 20. Juli 1961, 1 u. 4, einsehbar in: Rom, Fondazione Istituto Gramsci (FIG), Fondo PCI (APCI), Regioni e Province, Signatur 0479, 2632–1235. 89 Im Interesse einer demokratischen friedlichen Lösung der Südtirolfrage wird die SFP weiterhin an ihrem Konzept einer echten, international verankerten Landesautonomie festhalten. Nur eine sol- che Lösung entspricht tatsächlich den Erfordernissen der Südtiroler Bevölkerung und den Prinzipien des demokratischen Sozialismus. Der Fortschritt (Bozen, 30.3.1967) 1.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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