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Was wusste Bruno Kreisky?
re Österreicher hätten führen können“131. Aber erst im August 1961 wurde
Burger zum ersten Mal in Untersuchungshaft genommen. Vier Monate spä-
ter wurden Welser und zwei weitere Verantwortliche für den Sprengstoff-
schmuggel zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Zuvor hatte die
Tiroler Landesregierung noch versucht, sich für die Angeklagten einzuset-
zen. Am 17. November 1961 hatte die Bundesregierung ein diesbezügliches
Fernschreiben erhalten. Darin wurde ersucht: 1. von jeder Gerichtsverhandlung
wegen Unterstützung der Südtiroler Freiheitskämpfer während der Zeit der UN-Ge-
neralversammlung Abstand zu nehmen. 2. dem einzubringenden Antrag der Vertei-
digung auf Enthaftung des Kurt Welser stattzugeben, […].132 Das Ansinnen wurde
im Ministerrat diskutiert. Bundeskanzler Alfons Gorbach (ÖVP) meinte: Ich
bin der Auffassung, dass die Regierung aus Gründen der Rechtsstaatlichkeit das nicht
anrühren darf. Justizminister Broda bekundete, sehr froh zu sein, dass der Herr
Bundeskanzler die gleiche Auffassung hat133. Broda machte im April 1962 hoch-
rangigen Mitgliedern der Tiroler Landesregierung klar, dass die Justiz weiter
gegen die Aktivisten vorgehen würde:
Jede Hinnahme der neu aufgeflammten terroristischen Aktivität in Südti-
rol und ihrer Vorbereitungshandlungen in Österreich würde einer Billigung
gleichkommen und unabsehbare Folgen haben, die niemand in Österreich und
Tirol staatspolitisch verantworten kann. […] Ich teilte den Herren mit, dass
die staatsanwaltschaftlichen Behörden angewiesen worden sind, mit aller
Energie vorzugehen und ein neuerliches Umsichgreifen dieser Aktivität zu
verhindern.134
Die Justiz, so Broda, werde ihre Pflicht erfüllen, weil jedes andere Verhalten von
den Kreisen, die terroristische Aktivität entfalten, nur als Zeichen der Schwäche und
Ermunterung zu neuer Aktivität aufgefasst werden wird135. Die Bilanz blieb freilich
gemischt: Drei große Südtirolprozesse zwischen 1965 und 1967 fanden vor
131 Christoph Franceschini, Geheimsache Kerbler, in: profil 50 (1991) 62–65, hier 65.
132 Verhandlungsschrift Nr. 25 über die Sitzung des Ministerrates am 21.11.1961. ÖSTA/
AdR, BKA, Ministerratsprotokolle 2. Republik, Gorbach I.
133 Vertraulich, Verschluss – zu der Verhandlungsschrift Nr. 25, Seite 3. ÖSTA/AdR, BKA,
Ministerratsprotokolle 2. Republik, Gorbach I.
134 Amtsvermerk Dr. Broda, 5.4.1962. StBKA, VII.9 Südtirol, Box 4.
135 Ebd.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918