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Luciano Monzali
zur politischen und nationalen Entspannung in der Provinz beitrug, war die
bedeutende wirtschaftliche und industrielle Entwicklung Südtirols in den
1970er- und 1980er-Jahren, welche dieses Land in eine der reichsten Regionen
Italiens und Europas verwandelte.
Dennoch blieben Misstrauen und Skepsis gegenüber Italien bestehen.
Die Regierung in Wien griff nicht ein. Wie ein Damoklesschwert, das über
Italien schwebte, weigerte sich der österreichische Nationalrat, das Abkom-
men von 1971 zwischen den beiden Ländern zu ratifizieren, das eine Ände-
rung des Artikels 27a der europäischen Konvention bezüglich der friedlichen
Streitbeilegung enthielt. Somit kam Wien jahrelang nicht der Verpflichtung
nach, die in Punkt 9 des in Kopenhagen festgeschriebenen „Operationskalen-
ders“ verankert war. Während Italien dieses Abkommen bereits im Jahr 1973
ratifizierte, tat Österreich dies erst 15 Jahre später, im Jahr 1988.
Da Italien keinen Einspruch mehr gegen die Unterzeichnung von Ab-
kommen zwischen den Institutionen der Europäischen Gemeinschaft und
Österreich erhob, stand auch Verhandlungen über ein Assoziierungsabkom-
men nichts mehr im Wege. Die Gespräche verliefen allerdings schleppend
und nicht reibungslos14. Die Bundesrepublik Deutschland befürwortete die
Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der Europäischen Gemein-
schaft und Österreich15 und auch Italien äußerte sich positiv16. Verhaltener
agierten hingegen andere EWG-Länder, wie zum Beispiel Frankreich, das die
Sowjetunion nicht beunruhigen wollte. Die Vereinigten Staaten ihrerseits un-
terstützen das Vorhaben, Österreich wirtschaftlich in der EWG zu verankern.
Gleichzeitig aber verteidigten sie die sowjetische Stellung, wonach der Staats-
vertrag vom 1955 eine full Austrian membership in the EC de facto verbot17. Auf-
grund der Opposition der Sowjetunion gegen jegliche Mitgliedschaft oder
14 Hinweise darauf finden sich in: Gehler, Österreichs Außenpolitik der Zweiten Repu-
blik, Bd. 1; Ders., Vom Marshall-Plan bis zur EU. Österreich und die europäische Integration
von 1945 bis zur Gegenwart (Innsbruck–Wien–Bozen 2006).
15 Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (München 1994 ff.)
1969, Band Nr. 3, doc. 356.
16 Zum Verhalten Italiens in Zuge der Verhandlungen über die vorläufige Teilvereinba-
rung Österreichs mit der europäischen Kommission siehe ILS, AA, Europa, b. 420, Bombas-
sei an das Außenministerium, 30. November 1970.
17 Foreign Relations of the United States, 1969–1976, XXIX (Washington 2007) doc. 68,
Memorandum from the President’s Assistant for National Security Affairs (Kissinger) to Pre-
sident Nixon, 17. Mai 1972.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918