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Luciano Monzali
der SVP, da im April 1991 der Parteivorsitz von Silvius Magnago auf Roland
Riz überging. Magnago war ein überzeugter Anhänger des Abkommens von
1969 und befürwortete die Verabschiedung des Pakets, zumal ihm bewusst
war, wie wichtig dieser Schritt im Hinblick auf den österreichischen EG-Bei-
tritt war. Riz, ein hochkarätiger Jurist, der eine bedeutende Rolle bei der
Umsetzung vieler Maßnahmen des Südtirol-Pakets gespielt hatte, teilte die
Position Magnagos, genoss aber weniger Ansehen innerhalb der Partei und
stand unter dem Druck des unnachgiebigen Flügels, der eine internationale
Verankerung des Pakets als Garantie für die Respektierung der Autonomie
der Provinz Bozen durch Italien verlangte61.
Vom 19. bis 21. November 1991 besuchte Bundeskanzler Vranitzky Rom
mit dem Ziel, Druck auf diplomatischer Ebene auszuüben, um den Beitritt Ös-
terreichs zu beschleunigen. In diesen Wochen liefen die letzten Verhandlun-
gen zur Gestaltung einer neuen Europäischen Union, die am 7. Februar 1992
mit der Unterzeichnung des Maastricht-Vertrags verankert werden sollte.
Das Treffen zwischen Vranitzky und Andreotti, das im November 1991
in Rom stattfand, markierte den Beginn einer entschiedenen Forcierung der
Verhandlungen, welche die Schlichtung des italienisch-österreichischen Süd-
tirol-Streites anstrebten. Eine weitere wichtige Etappe auf diesem Weg stellte
der Meraner Kongress der SVP am 23. November 1991 dar. Dort stimmte eine
Mehrheit der Partei für eine von Riz eingereichte und von Magnago unterstützte
Resolution, in der die Bereitschaft zu einer Verabschiedung des Pakets erklärt
wurde, allerdings nur unter der Bedingung einer internationalen Verankerung.
Die Wiener Regierung wollte die Frage so schnell wie möglich zum
Abschluss bringen, um ein Hindernis für den EG-Beitritt auszuräumen: Eine
eventuelle internationale Absicherung des Pakets wurde zwar positiv ein-
geschätzt, doch war man sich auch bewusst, dass im Falle eines politischen
Konflikts zwischen den beiden Staaten die juristischen Mittel für einen inter-
nationalen Schutz zahnlos waren. Anfang Dezember trafen sich Vranitzky
und Mock in Wien mit Riz und Magnago und bekräftigten gegenüber den
Führern der SVP, dass die Kontroverse zeitnah beigelegt werden müsse. Riz
zeigte sich unschlüssig, obwohl ihm nicht nur die Wiener Regierung, son-
61 Siehe dazu die Erklärung von Riz an die Wiener Zeitung „Die Presse“, enthalten in:
ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an den Außenminister, 11. November 1991.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918