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Luciano Monzali
Trotz seiner vorgeschlagenen Alternativlösungen riet Bottai der Regierung ganz
offensichtlich, die Forderung von Riz zu erfüllen und den Südtirol-Streit so bald
als möglich zu beenden. Andreotti war einverstanden. In den Tagen danach be-
auftragten Andreotti und De Michelis Alessandro Quaroni, den italienischen
Botschafter in Wien, ein Gespräch mit Mock zu führen, um ihm die italienische
Bereitschaft zu signalisieren, Riz gegenüber Konzessionen zu machen und die
internationale Verankerung des Pakets zuzusichern. Am Morgen des 28. Jänner
traf sich Quaroni mit Mock und unterbreitete ihm den Kompromisstext für die
zu übermittelnden Parlamentsakten, die zur Erfüllung des Pakets dienten. Da-
bei forderte er
Österreich soll sich offiziell einsetzen und keine (und ich betone es) Argumen-
te anführen, welche die These einer ‚internationalen Verankerung‘ – wie vom
SVP-Vorsitzenden Riz befürwortet, untermauern würden. Insbesondere – so
berichtete Quaroni dem Außenministerium – konnte ich Folgendes feststellen:
Um die Streitbeilegung, die die italienische Regierung mit Entschlossenheit
und Offenheit anstrebte, nicht zu beeinträchtigen, war es notwendig, dass
die österreichische Regierung bei ihrer Kenntnisnahme über die italienische
Übermittlung der Parlamentsakten und des Wortlauts des Statuts oder auch
bei zukünftigen Pressemitteilungen nicht (und ich sage nicht) die Tatsache
unterstreicht, dass der Text von jener rechtlichen These abweicht, die wir stets
befürwortet haben (und die wir im Zuge der Verhandlungen über den Ope-
rationskalender auch zu schützen beschlossen haben). Österreich musste sich
notwendigerweise dazu verpflichten […] damit keine Reaktionen beim Parla-
ment und bei der italienischen Öffentlichkeit ausgelöst werden, die unsere
Regierung davon abbringen würden, dem Südtirol-Streitfall dieser Tage noch
einen Riegel vorzuschieben.67
In den darauffolgenden Stunden fanden intensive Kontakte zwischen der
Wiener Regierung, der SVP und der von Botschafter Emil Staffelmayr ge-
leiteten österreichischen Botschaft in Rom statt. Nach einer Konsultation mit
Riz gab Mock am Nachmittag des 28. Jänner 1992 Quaroni eine Antwort. Der
67 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an den Außenminister, ohne Datum (aber
28. Jänner 1992), (Übers. d. Verf.). Zu dem Gespräch vom 28. Jänner zwischen Quaroni und
Mock siehe auch die österreichische Version in: Gehler, Österreichs Außenpolitik der Zwei-
ten Republik, Bd. 2 737 ff.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918