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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
Funktion224
6. Auffinden und Beschlagnahmen von Waffen, die die örtliche Bevöl-
kerung versteckt;
7. Herstellen von Ordnung im Hinterland der Zentralen Gruppe der
Streitkräfte, insbesondere in Wien und Baden;
8. Bewachen der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze, der Alli-
ierten Kommission für Österreich, der Botschaft der UdSSR in Wien,
der Alliierten Kontrollkommission für Ungarn sowie des Stabes der
CGV.“288
Im Zentrum ihrer Tätigkeit stand nach wie vor die Festnahme „feindlicher
Elemente“ sowohl unter sowjetischen Soldaten als auch unter der österrei-
chischen Bevölkerung. Von insgesamt mehr als 8700 festgenommenen Per-
sonen waren im Untersuchungszeitraum 94 „Banditen“ und 66 „Diebe sowie
Gewalttäter“ in die Fänge des NKVD geraten. Abgesehen von Deserteuren
der Roten Armee unterlagen zudem alliierte „Deserteure“ einer Verhaftung.
Allein im Jänner 1946 nahmen die NKVD-Truppen neben 129 sowjetischen
Deserteuren 52 westliche Besatzungssoldaten fest, die angeblich entweder die
Zonengrenze illegal überschritten oder gegen die Besatzungsordnung versto-
ßen hatten. Gegenüber dem Aufgabenkatalog vom Mai 1945 fällt in Hinblick
auf die Repatriierung sowjetischer DPs auf, dass die NKVD-Truppen nun
ausdrücklich Heimkehrunwillige auszuforschen und festzunehmen hatten.
Schließlich lautete die Politik des Kremls, dass jeder Sowjetbürger „bis zum
Letzten“ in die UdSSR zurückkehren musste. Dem illegalen Waffenbesitz –
einer der häufigsten Verurteilungsgründe nach Kriegsende – galt es offen-
sichtlich weiterhin den Kampf anzusagen.289
Hinsichtlich der Bewachungspflichten der vier Regimenter, die zu die-
sem Zeitpunkt dem Verband der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinter-
landes der CGV angehörten, hatte sich gleichfalls nichts Grundlegendes
geändert. Anfang Jänner 1946 bewachte das 10. Grenzregiment gemeinsam
mit dem 37. Grenzregiment die österreichisch-tschechoslowakische Grenze.
Das 24. Grenzregiment war für die Bewachung der Alliierten Kommission,
der sowjetischen Botschaft in Wien sowie des Stabes der CGV ebenso zu-
ständig wie für die Aufrechterhaltung von Ordnung in Wien und Baden.
Das gesamte 383. Schützenregiment mit Stab in Budapest bewachte neben
288 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 166, S. 154–165, Tätigkeitsbericht von Zimin-Kovalev über die Tä-
tigkeit der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV im Jänner und Februar 1946,
10.3.1946.
289 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 127, S. 45, Bericht von Zimin-Kovalev über die Zahl der bei der Bewa-
chung bedeutender Objekte und der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze eingesetzten
NKVD-Truppen, 6.1.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918