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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
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daher die Löhne aller Facharbeiter und jene von über 1000 Angestellten an-
gehoben, was Mehrkosten von 10,2 Millionen Schilling (1,6 Millionen Rubel)
verursachte.577
Zur Verbesserung der Lage in den USIA-Betrieben ließ Moskau in der Zeit
von Juni 1953 bis Mai 1954 beinahe ein Drittel der sowjetischen Mitarbeiter
vor Ort, insbesondere jene in leitenden Positionen, austauschen: Zu den 168
neu besetzten Posten gehörten der Leiter der USIA und seine beiden Stellver-
treter, 40 Generaldirektoren und leitende Ingenieure von Betrieben. 79 von
ihnen hatten zuvor in der DDR gearbeitet und sich anscheinend bewährt.
Insgesamt waren 468 Positionen mit sowjetischen Mitarbeitern besetzt, 65
vakant und 53 sollten noch „aus verschiedenen Gründen“ ersetzt werden.578
Trotz einiger Änderungen wurde der Ministerratsbeschluss vom 9. Juni
1953 nur schleppend in die Tat umgesetzt, weswegen das Außenhandelsmi-
nisterium (MVT) unter Ivan G. Kabanov im April 1954 verpflichtet wurde,
innerhalb von zwei Wochen dem Ministerrat einen entsprechenden Bericht
vorzulegen.579
6.7 Die Vergoldung des Wirtschaftsimperiums: Ablöse 1955
Parallel zu einer Reihe von Vorschlägen, welche Maßnahmen den unzufrie-
denstellenden Zustand der USIA verbessern sollten, unterbreitete der Erste
Stellvertreter des Ministerratsvorsitzenden der UdSSR, Anastas Mikojan, am
17. Mai 1954 dem ZK eine Notiz mit genau gegenteiligen Überlegungen.580
Er empfahl, unverzüglich mit der österreichischen Regierung in Verhandlun-
gen über einen Verkauf der USIA-Betriebe zu den Bedingungen des Artikels
35 des Staatsvertragsentwurfes zu treten. Denn der Abschluss des Staatsver-
trages würde sich „aller Wahrscheinlichkeit nach eine lange Zeit hinziehen“,
lautete seine Einschätzung. Im Falle eines Verkaufs der USIA – nicht jedoch
der SMV und der DDSG – würde die UdSSR von Österreich im Laufe von
sechs Jahren „garantiert“ Waren im Wert von insgesamt 600 Millionen Rubel
(150 Millionen Dollar) erhalten. Diese Ablöse stand bereits seit 1949 fest und
sollte schlussendlich 1955 nicht mehr diskutiert werden.581
577 RGANI, F. 3, op. 8, d. 110, S. 81–97, hier: S. 83–84, Bericht von I. Kabanov über den Zustand der
USIA-Betriebe in Österreich und Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Tätigkeit, 11.5.1954.
578 Ebd., S. 95.
579 RGANI, F. 3, op. 8, d. 128, S. 167–168, Bericht an das ZK der KPdSU über die Lage in der USIA,
14.4.1954.
580 Prozumenščikov, Nach Stalins Tod, S. 742f.
581 RGANI, F. 3, op. 8, d. 110, S. 98–101, A. Mikojan an das ZK der KPdSU über die Möglichkeit eines
Verkaufes der USIA-Betriebe in Österreich, 17.5.1954.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918