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Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und Funktion302 Letztlich hatte das elementare ökonomische Kalkül in Moskau Oberhand behalten. Bei der SMV hatte sich längst dasselbe Dilemma abgezeichnet wie bei der USIA: Die Erdölanlagen waren technisch dermaßen veraltet, dass man über mehrere Jahre hohe Summen in die Modernisierung und Entwick- lung der Unternehmen investieren hätte müssen – ohne die Garantie, dass sie „im Konkurrenzkampf mit den kapitalistischen Firmen“ nicht trotzdem bankrott gehen würden.596 Außerdem wären alle Unternehmen nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages zur Abführung der entsprechenden Steuern an Österreich verpflichtet gewesen. Nach Berechnungen sowjeti- scher Experten hätte die Sowjetunion im Falle eines Verbleibs der SMV unter sowjetischer Verwaltung jährlich nur 170.000 Tonnen Erdöl aus Österreich importieren können. Somit stellte die fixierte Lieferung von einer Million Tonnen jährlich allein unter diesem Gesichtspunkt ein gutes Geschäft für Moskau dar.597 Darüber hinaus müssen der so oft zitierte Verhandlungserfolg der öster- reichischen Regierungsdelegation in Moskau bzw. der Erfolg von Bundes- kanzler Raab bei den Nachverhandlungen in Villach relativiert werden. Im Vorfeld der Moskauer Verhandlungen hatte der sowjetische Außenhandels- minister Ivan G. Kabanov intern Erdölablöselieferungen von 4,1 Millionen Tonnen im Zeitraum von sechs Jahren errechnet. Diese Kalkulation schloss neben der OROP bereits die Ablöse für die DDSG ein.598 In seinen Anweisun- gen zu den Verhandlungen mit den Österreichern in Moskau hatte das Polit- büro festgehalten, man müsse „über die Festsetzung der Kompensation im Ausmaß von ungefähr 690.000 Tonnen pro Jahr für die Dauer von sechs Jah- ren“ verhandeln.599 De facto schraubte die sowjetische Delegation während der Gespräche ihre Forderungen in die Höhe, wodurch sich ein beträchtlicher Verhandlungsspielraum ergab. Sogar die letztendlich vereinbarten sechs Mil- lionen Tonnen übertrafen die von Kabanov ursprünglich errechnete Ablöse um beinahe zwei Millionen Tonnen, ganz abgesehen von der zusätzlichen 596 RGANI, F. 3, op. 8, d. 121, S. 106–108, Bericht von A. Mikojan, I. Kabanov und P. Nikitin an das ZK der KPdSU über die SMV in Österreich, 18.6.1954. 597 Prozumenščikov, Nach Stalins Tod, S. 752. 598 RGANI, F. 3, op. 8, d. 223, S. 107f., hier: S. 108, Bericht von I. Kabanov und Juchin zur Frage der Übergabe der SMV, der DDSG und der OROP an Österreich. Aus den Beilagen zur Sitzung des Politbüros, 8.4.1955. Vgl. dazu und zum Folgenden: Iber, Die Sowjetische Mineralölverwaltung, S. 193–200. 599 RGANI, F. 3, op. 10, d. 136, S. 36–41, hier: S. 38, Text der Anordnung für die Verhandlungen mit der Regierung Österreichs, 8.4.1955. Vgl. dazu RGANI, F. 3, op. 10, d. 136, S. 9, Beschluss Nr. 115/ XXVIII des Präsidiums des ZK der KPdSU, Entwurf einer Anordnung zu den Verhandlungen mit der Regierung Österreichs, 8.4.1955.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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