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1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle 319
erteilten Weisungen“ ergreifen zu wollen. Die „überaus positive Einschät-
zung“ der Agentur Reuters, betreffend Arbeit und insbesondere Atmosphäre
im Interalliierten Sekretariat, wies der Politberater als „übertrieben“ zurück.35
Kiselev wollte anscheinend etwaige Vorwürfe bezüglich einer in den Augen
Moskaus zu freundschaftlichen Verbindung zwischen den sowjetischen und
westlichen Mitgliedern entkräften.36
Den Kontakt zu Österreichern regelte unter anderem die reformierte
Verordnung über die SČSK vom 20. Februar 1952. Demnach war es SČSK-
Mitarbeitern gestattet, „mit Erlaubnis ihnen vorgesetzter leitender Angehö-
riger des Sowjetischen Teils, mit Vertretern österreichischer Behörden und
Organisationen entsprechend deren Funktion in dienstlichen Kontakt“ zu
treten. Dabei waren sie verpflichtet, die „dienstlichen Gespräche“ in Form
von Gesprächsnotizen festzuhalten und ihren Vorgesetzten in Berichtsform
zu übermitteln.37
Besonderes Augenmerk richtete das ZK der VKP(b) auf die Mitglieder
und Kandidaten der VKP(b), die bei der SČSK, den Kontrollkommissionen
in Bulgarien, Ungarn, Rumänien und Finnland sowie beim Alliierten Rat für
Japan arbeiteten. Sie sollten sich in jeweils einer Grundorganisation der Par-
tei zusammenschließen. Als deren Aufgabe legte das Sekretariat der ZK der
VKP(b) in seiner Sitzung vom 13. Juni 1946 die „politisch-erzieherische Arbeit
unter den Mitarbeitern“ und die „Steigerung des marxistisch-leninistischen
Niveaus der Kommunisten“ fest. Außerdem hatten die Grundorganisatio-
nenden Leiter der jeweiligen (Kontroll-)Kommission dabei zu unterstützen,
die „Staats- und Arbeitsdisziplin unter den Mitarbeitern“ zu erhalten.38
In eine ähnliche Kerbe wie Kiselev schlug das Politbüro des ZK der
VKP(b), das sich des Themas mit einem „besonderen“ Beschluss Anfang 1951
35 AVP RF, F. (0)66, op. 25, p. 118a, d. 2, S. 83f., Schreiben von Kiselev an Molotov über das Interalli-
ierte Sekretariat und die Mahnung der SČSK-Mitarbeiter zu besonderer Vorsicht, 31.12.1945. Vgl.
dazu: Knoll – Stelzl-Marx, Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission, S. 197f.
36 Lun’kov berichtete in diesem Zusammenhang Smirnov: „Genosse Koptelov bestritt nicht [sic!], dass
die Arbeit des Alliierten Sekretariates in einem Klima der Freundschaft und des gegenseitigen Ver-
stehens abläuft, er merkte jedoch an, dass Reuters dies alles zu sehr übertreibe.“ Siehe: AVPRF, F.
066, op. 25, p. 118a, d. 2, S. 81f., Schreiben von Lun’kov an Smirnov über die Arbeit des Alliierten
Sekretariates, 30.12.1945.
37 RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1117, S. 66–75, Beschluss des Ministerrates der UdSSR Nr. 986-317ss „Über
die Struktur und die Funktionen des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission in Österreich“
und „Verordnung über den Sowjetischen Teil der Alliierten Kommission in Österreich“ (Beilage Nr.
1) [20.2.1952]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich,
Dok. Nr. 78.
38 RGASPI, F. 17, op. 116, d. 264, S. 93f., Beschluss Nr. 264 (492) des Sekretariates des ZK der VKP(b)
über die Parteiorganisationen bei den Kontrollkommissionen in Bulgarien, Ungarn, Rumänien,
Finnland, bei der SČSK und beim Alliierten Rat für Japan, 13.6.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918