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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung328 Vaterlandsverrats in ihrer Biografie hinzu. Welcher Stellenwert der Überprü- fung der Kader zukam, zeigt der Fall des 383. NKVD-Grenzregiments. Hier war ein besonders starker Anstieg militärischer Vergehen zu beobachten: von 129 Fällen im 2. Quartal auf 150 Fälle im 3. Quartal 1946. Einen der Haupt- gründe dafür sah die Politabteilung der Truppen in der „hohen Durchsetzung des Regiments mit verbrecherischen und politisch-moralisch unzuverlässigen Elementen“. Dies erklärte man folgendermaßen: „Zum Zeitpunkt der Aufstel- lung des Regiments traten sehr viele vorbestrafte Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere in den Dienst, die nicht überprüft worden waren und die aufgrund ihrer fachlichen und moralischen Qualitäten nicht vertrauenswürdig gewesen wären.“66 Ein Teil der Offiziere, so ein weiterer Vorwurf, würde sich nur un- gern der Erziehung und parteipolitischen Schulung der Soldaten widmen.67 Besonders intensiv durchleuchtete man Parteimitglieder. Ihnen kam nicht nur eine Vorbildwirkung zu, sie hafteten bis zu einem gewissen Grad auch für Vergehen in ihrem Umfeld. Ein Beispiel für eine derartige Parteiüber- prüfung ist der Fall von Aleksandr Kozlov, seit November 1943 Mitglied der VKP(b). Dabei zeigte sich folgendes Bild des aus dem Arbeitermilieu stam- menden NKVD-Offiziers: „Der Partei Lenins-Stalins und dem Sozialistischen Vaterland ergeben, moralisch standhaft, ideologisch beherrscht. Persönlich diszipliniert. Nimmt an der Partei-Massenarbeit teil. Erfüllt die Parteiauf- gaben gewissenhaft und gut. Politisch entwickelt. Arbeitet ausreichend an sich.“68 Weitere – offensichtlich zufriedenstellende – Eigenschaften Kozlovs lauteten: „In der Lebensweise bescheiden, mit den Genossen umgänglich, verfügt über Autorität in der Parteiorganisation, hat keine Parteistrafen.“ Allerdings stellte der zuständige Parteigruppenorganisator auch ein Manko fest: „Genosse Kozlov beteiligte sich als Kommunist unzureichend an der Er- ziehung des Personals, weswegen es in der Unterabteilung eine beachtliche Zahl amoralischer Vorfälle, insbesondere Trunkenheit, gibt.“ Einmal mehr führte man Disziplinarvergehen auf mangelnde ideologische und politisch- moralische Schulung zurück. Die Schuld traf dabei auch Kozlov. Als Kom- munist, so die Schlussfolgerung, hätte er sich stärker in die Erziehung ein- bringen müssen.69 66 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 193–199, hier: S. 197, Bericht des Leiters der MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Zimin-Kovalev, und des Leiters der Politabteilung der MVD- Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Šukin, über den politisch-moralischen Zu- stand und die militärische Disziplin unter den MVD-Truppen im 3. Quartal 1946, 10.10.1946. 67 Ebd. 68 RGVA, F. 32903, op. 1, d. 352, S. 13f., Protokoll der Sitzung des Parteibüros des 91. NKVD-Grenzre- giments vom 8.5.1945 [frühestens am 8.5.1945]. 69 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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