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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 383 2.3.3. Die dreifache Versuchung: „Frauen, Wertgegenstände, Wein“ Die zuständigen Politabteilungen gaben primär dem unzureichenden „poli- tischen Bewusstsein“ und der generellen Undiszipliniertheit eines Teils der Truppen für derartige Vorkommnisse die Schuld. Die Fälle von „Diebstahl, Raub und Gewalt gegen die örtliche Bevölkerung“ führte man darauf zurück, dass eine Reihe von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaftssoldaten „nicht die Ziele und Aufgaben des Dienstes in Österreich, unser Verhältnis zur örtlichen Bevölkerung verstehen“ würden. Besondere Schuld traf dabei „jene Kategorie von Offizieren, die anstelle eines entschiedenen Kampfes ge- gen dieses Übel“ Plünderungen selbst begingen oder organisierten.265 Man- che Kommandanten und häufiger noch Befehlshaber einzelner in Dörfern untergebrachter Einheiten benahmen sich „buchstäblich wie Feudalfürsten“, kritisierte der politische Berater Kiselev im August 1945. In Neunkirchen bei- spielsweise wäre auf Anordnung des Generalleutnants der Panzertruppe, Rossijanov, die gesamte Stadt „regelrecht ausgeraubt“ worden.266 Ein weiteres Problem bestand in der personellen Zusammensetzung der Armee. Zahlreiche Regimenter seien nicht aus den „besten Armeeangehöri- gen“, sondern vorwiegend aus den „undiszipliniertesten Offizieren, Unterof- fizieren und Mannschaftssoldaten“ gebildet worden, die eine „Schwäche für Wein und Frauen“ hätten, kritisierte der NKVD. Die Offiziere gingen somit selbst nicht mit leuchtendem Vorbild voran.267 Der 1925 in Rostov geborene Aleksandr Konoplev, der als Hauptmann des 5. Don-Kosaken-Korps bei der Befreiung Österreichs mitwirkte, erinnert sich etwa: „In dieser Division wa- ren Georgier und Kasachen und Russen und Ukrainer und Sträflinge aus Ge- fängnissen. Wer seine Schuld mit Blut reinwaschen wollte, der wurde also befreit und so wurde unsere Division formiert. Der Kommandeur dieser Di- vision war Generalleutnant Belošvičenko. Die Deutschen bezeichneten diese 265 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 25–41, hier: S. 34, Bericht des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, und des Leiters der Politabteilung, Oberst Šukin, an den stv. Leiter der Inneren Truppen des NKVD, Generalleutnant Sladkevič, über den politisch-moralischen Zustand und die militärische Disziplin in den NKVD-Truppen im 4. Quartal 1945, 10.1.1946. 266 AVP RF, F. 06, op. 7, p. 26, d. 322, S. 20–26, Bericht von Kiselev und des Stellvertreters des politi- schen Beraters, Spičkin, über die politische Stimmungslage in der sowjetischen Besatzungszone in Wien, 15.8.1945. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 67. 267 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 360–381, hier: S. 365, Bericht des Leiters des 336. NKVD-Grenzregi- ments, Oberstleutnant Martynov, und des Leiters der Politabteilung, Major Čurkin, an den Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Šukin, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin des Regiments im 3. Quartal 1945 [Oktober 1945].
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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