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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 490 sowjetische Militärtribunal verurteilte daraufhin die Österreicherin im April 1952 wegen Spionage zu zehn Jahren ITL.85 Unter der Überschrift „Die ver- hängnisvollen Soldatenbekanntschaften: Vor dem Tor des USIA-Betriebes verschwunden“ schrieb dazu die Arbeiter-Zeitung: „Ingeborg Brenner hatte bis vor einem Jahr viele Bekanntschaften mit russischen Soldaten. Dann lern- te sie den Amerikaner kennen und verkehrte von dieser Zeit an nur noch mit ihm. Ob die bloße Bekanntschaft mit dem Amerikaner den Menschenräubern Grund genug zu einer Verschleppung schien, ist ungeklärt.“86 1.4.1 Prostitution, Geschlechtskrankheiten und Spionage Im Gegensatz zur Wehrmacht unterhielt die Rote Armee in Frontnähe keine Bordelle: Sexualität war offiziell kein Thema. Während des Krieges widme- te sich die gesamte Partei- und Vaterlandskultur dem aufopferungsvollen Kampf für die Heimat: Den Männern an der Front sollten ein ausgefüllter Tagesablauf und politische Schulungen keinen Raum für erotische Fantasien lassen.87 Die Praxis sah jedoch – vor allem durch die Möglichkeiten, die der Besat- zungsalltag im Westen bot – anders aus. Sowjetische Militärangehörige fre- quentierten Bordelle ebenso, wie sie Kunden von Gelegenheitsprostituierten waren. Zwar kritisierten die zuständigen Politabteilungen den moralischen Verfall der Truppen auch in dieser Hinsicht, doch blieben ihre Gegenmaß- nahmen im Grunde wirkungslos. Allerdings bezahlten einige österreichische Prostituierte ihre Kontakte zu sowjetischen Armeeangehörigen mit Lager- haft. Der offizielle Grund lautete in diesen Fällen – wie bei der arbeitslosen Hilfsarbeiterin St. P. – „antisowjetische Spionage“. Die Niederösterreicherin war wegen des „ständigen Umgangs mit sowjetischen Besatzungsangehöri- gen seit 1945“ bei der Sicherheitsbehörde ihres Wohnortes wegen Verdachts der Geheimprostitution vorgemerkt gewesen. Im März 1950 verurteilte sie das Militärtribunal der Zentralen Gruppe der Streitkräfte schließlich zu 25 Jahren Lagerhaft in der Sowjetunion.88 Die Arbeiter-Zeitung berichtete im Fe- bruar 1953 über einen ähnlich gelagerten Fall fälschlicherweise: „Frau Presl- 85 Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 432. 86 Die verhängnisvolle Soldatenbekanntschaft, in: Arbeiter-Zeitung, 12.4.1951, S. 2. 87 Merridale, Iwans Krieg, S. 344; Jean-Yves Le Naour, „Mon flingot, c’est Cupidon“. La Sexualité du soldat, in: François Rouquet – Fabrice Virgili – Daniéle Voldman (Hg.), Amours, guerres et sexualité 1914–1945. Paris 2007, S. 74–81. 88 AdBIK, Datenbank verurteilter österreichischer Zivilisten in der UdSSR, Ziv-SU-107; ÖBM, Perso- nalakte St. P. Vgl. dazu und zum Folgenden: Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 432f.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
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