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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen 509 gattin belegt, die während der Stationierung einen Österreicher kennenlernte und mit ihm eine geheime Beziehung einging. Als 1955 die Truppen abzogen und die Familie in die Sowjetunion zurückkehrte, versteckte sie sich vorü- bergehend. Ihr Mann musste allein mit den beiden Kindern heimfahren, da man sie trotz intensiver Suche nicht finden konnte. Später heiratete sie den österreichischen Mann und gründete hier eine neue Familie.151 2.2 Reaktionen von österreichischer Seite Bereits während des Krieges zogen sogenannte „lose“ Frauen, die im „Dritten Reich“ Verhältnisse mit ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefan- genen eingingen, Ressentiments und Strafmaßnahmen auf sich. Aus „volks- tums- und rassepolitischer“ Sicht sollte die „Reinheit des deutschen Blutes“ nicht befleckt werden. Die Frau verkörperte als „Inbegriff der deutschen See- le“ ein „Bollwerk gegenüber den anderen, den Fremden, dem Feind“.152 Wie Helke Sander betont, ist es „ja eine Ironie der Geschichte, dass der auch um Rassereinheit geführte Krieg die Grundlagen für eine Vermischung giganti- schen Ausmaßes gelegt hat und das heutige Europa tatsächlich anders aus- sieht als vor fünfzig [mittlerweile sechzig] Jahren“.153 Insbesondere Beziehungen zu sowjetischen Kriegsgefangenen wurden hart geahndet, dominierten doch in diesem Zusammenhang Vorstellungen einer rassischen Überlegenheit germanischer „Herrenmenschen“ gegenüber den slawischen „Untermenschen“. Die Personalkarten sowjetischer Kriegs- gefangener enthielten daher vielfach den Vermerk „Belehrt über das Verbot betr. Verkehr mit deutschen Frauen“. Im Falle sogenannter „Verstöße gegen das gesunde Volksempfinden“ drohte einheimischen Frauen nach § 4 der „Wehrkraftschutzverordnung“ eine mehrmonatige Gefängnishaft. Auch wurden manchen Frauen als Zeichen öffentlicher Stigmatisierung ihre Haare abgeschnitten. Bei den betroffenen Kriegsgefangenen konnte Geschlechtsver- kehr mit „deutschen Frauen“ bis zur Einweisung in ein Konzentrationslager oder zur Todesstrafe führen, wobei das Ausmaß der Strafe von der jeweiligen Nationalität des Gefangenen abhing.154 151 Tanja N., Freundliche Auskunft. Siehe dazu auch das Kapitel B.I.2.6.5 „Gründe für Fahnenflucht“ in diesem Band. 152 Bauer, „Besatzungsbräute“, S. 269. 153 Helke Sander, Erinnern/Vergessen, in: Helke Sander – Barbara Johr (Hg.), BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigung, Kinder. Frankfurt am Main 2005, S. 9–20, hier: S. 14. Gerade die Wehr- machtssoldaten trugen – auch in den besetzten Gebieten der Sowjetunion – zu dieser „Vermi- schung“ bei. Sander vermutet, dass bis zu einer Million „deutsche“ Kinder an der Ostfront geboren wurden. Vgl. ebd., S. 14f. 154 Stelzl-Marx, Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft, S. 62f.; Barbara Stelzl-Marx, Kriegsgefangen-
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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