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Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Sowjetischer Alltag in Österreich 583 eine große Wohnung, sie musste sich auch um die Wohnung kümmern.“ Kontakte zur österreichischen Außenwelt hatte die Offiziersgattin nur am Rande, zumal auch sie kaum Deutsch sprach.88 So manche Ehe dürfte den Auslands- einsatz in Österreich nicht überstanden haben. Konnte oder wollte der Ehepartner nicht nachziehen, führte die monatelange räumliche Trennung zu einer Entfrem- dung. In anderen Fällen spielten österrei- chische Frauen – oder auch Männer – eine Rolle. So lernte eine sowjetische Offiziers- gattin in Bruck an der Leitha einen Öster- reicher kennen und lieben. Als ihr Mann 1955 aus Österreich abgezogen wurde, versteckte sie sich, um in Bruck bleiben zu können. Ihre beiden Söhne und ihr Mann kehrten ohne sie in die Sowjetunion zu- rück. Erst in den vergangenen Jahren wur- de ein Kontakt mit den Kindern aus erster Ehe wieder möglich.89 Ein weiteres Beispiel ist der bereits erwähnte Fall von Georgij Elizarov, der im Herbst 1946 seine Frau nach Wien nachkommen ließ. Als er im März 1947 den gemeinsamen Sohn während eines Heimaturlaubes aus Moskau holen wollte, stieg er stattdessen am ersten Bahnhof aus dem Zug wieder aus, fuhr zurück nach Wien und versteckte sich in der Wohnung seiner österreichi- schen Geliebten Bianca H. in der französischen Besatzungszone Wiens, wo er schließlich verhaftet wurde. Seine Frau musste allein in die Sowjetunion zu- rückkehren, woraufhin sie sich scheiden lassen wollte. Sein Sohn resümiert: „Mit der Vergangenheit hatte er abgeschlossen.“90 1.3.2 Offizierskinder: die anderen „Russenkinder“ Viele der sowjetischen Offiziere ließen ihre Kinder nach Österreich nach- kommen. Sie fanden vergleichsweise schnell Kontakt zu österreichischen Kindern, so ihre Eltern dies nicht unterbanden. Eine österreichische „Zeitzeu- 88 OHI, Malašenko. 89 Siehe dazu auch das Kapitel B.II.2.2 „Reaktionen von österreichischer Seite“ in diesem Band. 90 Voroncov, Reka vody žizni, S. 278. Abb. 89: Die Frau des sowjetischen Besatzungsangehörigen Evgenij Malašenko hatte wenig Kontakt zur österreichischen Außenwelt. (Quelle: AdBIK, Sammlung Malašenko).
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
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