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2. Freizeit, Erholung, Urlaub 609
Schachzirkel einzurichten und Sport zu betreiben. Zumindest anfangs kam
keine rechte Begeisterung für diese organisierten Freizeitaktivitäten auf. Der
Sport litt außerdem unter einem Mangel an Ausrüstung; selbst Fußbälle oder
Sportbekleidung fehlten in manchen Klubs. Am meisten fehle es aber an „Ini-
tiative, Aktivität und Liebe zu dieser Tätigkeit“, lautete etwa die bezeich-
nende Kritik an einer dieser Einrichtungen.196 Ungeachtet dessen hoben die
Militärbehörden laufend die Bedeutung einer sinnvollen Freizeitgestaltung
hervor – nicht zuletzt zur Aufrechterhaltung der Disziplin. Selbst das ZK der
VKP(b) befasste sich mit den Rotarmistenklubs. Im Oktober 1946 fasste das
Sekretariat den Beschluss, für die Bibliotheken der CGV-Klubs insgesamt 350
aus jeweils 810 Büchern und Broschüren bestehende Serien bereitzustellen.197
Gegen die Frustration über die Eintönigkeit des Kasernenalltags wirkte dieser
Zeitvertreib allerdings nur bedingt.
2.4.3 Erholungsheime und Urlaub
Besonders viel Raum für Entspannung sollten die eigens dafür eingerichteten
Erholungsheime der Armee bieten. Innerhalb weniger Wochen nach Kriegs-
ende ließ die Armeeführung mehrere dieser Häuser auch in Österreich eröff-
nen, wo sich vor allem ältere, gesundheitlich geschwächte oder verwundete
Besatzungssoldaten im Schnitt fünf Tage ausruhen konnten. Die Häuser, die
„maximale Bedingungen für Erholung“ zu bieten hatten, lagen „im Wald ent-
lang von Flüssen und Seen“.198 Offiziere kamen getrennt von Mannschafts-
soldaten und Unteroffizieren in den Genuss dieser „für die Gesundung des
Personalstandes wichtigen Maßnahme“. Wenig überraschend hatten die Po-
litabteilungen auch hier für eine „kulturelle Massenarbeit“ Sorge zu tragen.199
Im Vordergrund standen bei diesen Einrichtungen allerdings körperliche
Aktivitäten. Eines dieser Heime wurde Anfang 1946 auf einem „schneerei-
chen Gipfel, zwischen schneeverwehten Tannen“ eröffnet. Die Umgebung
bot ideale Voraussetzungen fürs Schifahren, Langlaufen und Jagen. In einem
Artikel in der CGV-Armeezeitung wurde dieses „Erholungsheim in den Al-
pen“ auch für die wärmere Jahreszeit geradezu euphorisch beworben: „Im
196 Ebd.
197 RGASPI, F. 17, op. 116, d. 237, S. 76, Beschluss Nr. 237 (306) des Sekretariats des ZK der VKP(b) über
die Bereitstellung von Büchern und Broschüren für die Rotarmistenklubs der CGV, 19.10.1945.
198 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 172, S. 19f., Anordnung des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des
Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pavlov, an den Kommandeur des 17. Grenz-
regiments über die Einrichtung von Erholungsheimen, 1.5.1945.
199 CAMO, F. 1310, op. 1, d. 4, S. 163, Befehl Nr. 0128 des Kommandeurs der 112. Garde-Schützendi-
vision, Garde-Generalmajor Afonin, und des Leiters des Stabes, Garde-Oberstleutnant Gorčakov,
über die Tätigkeit der Erholungsheime, 22.6.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918