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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. Fotografien 667 Abzüge, die Kamera und den Vorrat an Filmen, Entwicklern, Fotopapier und anderen benötigten Materialien ohne Kontrolle in die Sowjetunion einführen. Bis zu seinem Tod am 29. Dezember 2008 bewahrte er die 6 mal 6 cm großen Negative in einer Eisentruhe auf. Sie stellten gleichsam den Schatz seines Le- bens dar, der allerdings kaum an die Öffentlichkeit kam. Zajcevs Österreich-Fotos lassen sich gleichfalls in Eigen- und Fremdbilder unterscheiden, wobei Erstere den Alltag seiner Kameraden festhalten: „Ich fotografierte alles, was mir unterkam, aber vor allem nahm ich auf, was in unserer Einheit, im Dienst vor sich ging.“153 Seine Aufnahmen illustrieren den alltäglichen Dienst, klammern aber zugleich negative Facetten der Besatzung aus.154 Die nicht für Propagandazwecke, sondern für den eigenen Gebrauch geschossenen Aufnahmen erlauben somit einen Blick hinter die Kulissen aus einer subjektiven, zugleich aber auch selektiven Perspektive „von unten“: Seine Fotos zeigen martialisch anmutende Manöver in Niederösterreich 1946, einen Rotarmisten beim Flicken eines Reifens, die Bergung eines in den Fluss gestürzten Lastwagens bis hin zur Freude im Gesicht eines Soldaten, andert- halb Jahre nach Kriegsende in die Heimat zurückkehren zu können. Diese Porträts der von der österreichischen Bevölkerung oft als anonyme Masse empfundenen und gefürchteten „Russen“ lassen die Protagonisten gewisser- maßen aus ihrer Namenlosigkeit heraustreten und gestatten einen Perspek- tivenwechsel.155 Im Bereich der Freizeit gewähren die für den privaten Gebrauch geschos- senen Fotos von Boris Zajcev ebenfalls unmittelbare Einblicke. Zu sehen sind Szenen aus dem Alltag und der Freizeitgestaltung einiger der in Nie- derösterreich stationierten Rotarmisten: Zajcevs Kamerad Griša, der Gitarre spielt oder Kasačok tanzt, Soldaten – darunter Zajcev selbst – auf einem der begehrten Motorräder, ein einfacher Essnapf, dessen undefinierbaren Inhalt sich gleich mehrere Soldaten teilen, oder ein geschnürtes Wickelkind eines sowjetischen Paares, das in Österreich auf die Welt kam. Zajcev dokumentier- te damit Alltagssituationen sowjetischer Besatzungssoldaten in der Welt des ehemaligen Feindes und ideologischen Gegners. Etliche dieser Aufnahmen sind unter dem Stichwort „Soldatenhumor“ zu subsumieren. Sie sollten de- monstrieren, dass man auch schwierige Situationen mit Humor bewältigte. Augenzwinkernde Bildunterschriften wie „Gib mir meinen Bräutigam wie- 153 Ebd. 154 Dies kann insofern als typisch bezeichnet werden, als auch die Alltagsfotografie in der NS-Zeit weitestgehend auf ihre privaten Belange bezogen blieb. Vgl. Marita Krauss, Kleine Welten. Alltags- fotografie – die Anschaulichkeit einer „privaten Praxis“, in: Gerhard Paul (Hg.), Visual History. Ein Studienbuch. Göttingen 2006, S. 57–75, hier: S. 67. 155 Vgl. Iber – Stelzl-Marx, Begleitheft zur Ausstellung.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
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