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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Medium der Besatzung678 der alliierten Medien zueinander noch entspannt gewesen war, entwickelte sich zunehmend ein Propagandakrieg zwischen den sowjetischen und den westlichen Medien in Österreich.36 Zunächst herrschte, wie Oliver Rathkolb betont, eine „Atmosphäre wechselseitiger Toleranz“ zwischen den Journa- listen der TASS und dem Chefredakteur des „Wiener Kuriers“, Hendric J. Burns, weswegen in dieser US-Besatzungszeitung mehrere lange Artikel ei- nes TASS-Redakteurs über das Leben in der Sowjetunion erscheinen konn- ten.37 Charakteristischerweise enthielt sich auch „Za čest’ Rodiny“ in dieser frühen Phase jeglicher Angriffe auf die Westmächte und stellte auftretende interalliierte Differenzen als Ergebnis der Handlungen von Einzelpersonen dar. Ein Beispiel hierfür ist die Berichterstattung über die Ermordung eines sowjetischen Hauptmannes und die Verwundung eines weiteren Offiziers durch den amerikanischen Sergeanten Shirley B. Dixon Anfang 1946.38 Dazu „Za čest’ Rodiny“: „Dixon, der die sowjetischen Offiziere aus dem Waggon eines amerikanischen Zuges, in den diese in St. Pölten eingestiegen waren, hinauswerfen wollte, verlangte zunächst, dass [Vasilij] Klement’ev, [Petr] Sal’nikov und Oberleutnant Nikolaj Usarkov aus dem fahrenden Zug sprin- gen sollten. Als sich diese allerdings weigerten, die wilde Forderung in die Tat umzusetzen, und Hauptmann Klement’ev über Zeichen Dixon ersuchte, den Zug mit der Notbremse anzuhalten, schoss der amerikanische Sergeant mit seinem Revolver. Der erste Schuss verletzte Hauptmann Klement’ev töd- lich, die zweite Kugel durchschoss die Brust von Oberleutnant Sal’nikov.“ Anschließend konzentrierte sich der Artikel darauf, wie die amerikanischen Zeugen Dixon belasteten und sich dieser bei der Gerichtsverhandlung für schuldig erklärte.39 Generell enthielt sich die Zeitung bei der Schilderung des Falles jeglicher antiamerikanischer Polemik. Trotz der nüchternen Sprache wurde impliziert, das Urteil – ein Freispruch – sei politisch motiviert. Dieses rief, so „Za čest’ Rodiny“, „tiefe Verwunderung bei allen objektiven Beobachtern des Prozes- ses hervor: Das amerikanische Militärgericht erklärte den Mörder für un- schuldig und sprach ihn frei.“40 Marschall Konev protestierte öffentlich gegen den Freispruch.41 36 Zur entsprechenden Berichterstattung in der „Österreichischen Zeitung“ vgl. Mueller, Österreichi- sche Zeitung und Russische Stunde, S. 111. 37 Rathkolb, Politische Propaganda, S. 122. 38 Mueller, Österreichische Zeitung und Russische Stunde, S. 111f. 39 Amerikanskij sud opravdal ubijcu sovetskogo oficera, in: Za čest’ Rodiny, 1.3.1946, S. 6. 40 Ebd. 41 Rathkolb, Politische Propaganda, S. 112.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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