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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Medium der Besatzung682 schnell durch die Straßen Wiens ging oder mit einem Lift fuhr. Für einen Ar- beitslosen sah er nicht schlecht aus. Sein Gesicht wurde gebräunt und voller. Wahrscheinlich verkaufte er nicht 200, sondern 1000 Zigaretten. Und außer- dem handelte er mit amerikanischen Konserven, französischem Cognac, eng- lischem Stoff und italienischen Zitronen. […] Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortete er amerikanisiert: ‚Okay‘. […] Er dachte nicht daran, dass er Wien seine Arbeit und seine Energie stahl.“56 Wenig später prangerte derselbe Autor erneut „die Gier und den Egois- mus von Spekulanten“ an, wodurch Waren einfach „verschwinden“ würden. In diesem Zusammenhang kritisierte er das Wirtschaftssystem in Österreich: So würden die „faschistischen Gesetze, die nach wie vor in Kraft sind, den mit dem faschistischen Lager eng verbundenen Industriellen helfen. Das Volk spürt das. Die Arbeiter fordern immer häufiger, dass Großbetriebe ver- staatlicht werden sollten. Sie möchten nicht ihre Kräfte verschwenden. Sie sind bereit, ehrlich und selbstlos zu arbeiten, aber zum Wohle des Volkes und nicht zum Vorteil jener, die mit den Interessen des Volkes Handel treiben.“57 1.4.1 Ein „neues Zistersdorf“: Propagierung des sowjetischen Wirtschaftsimperiums Der Grundtenor dieser Artikel ist auch als Vorbereitung der Leser auf die Be- schlagnahmung des Deutschen Eigentums in der sowjetischen Besatzungszo- ne Österreichs zu sehen, die mit der Veröffentlichung des Befehls Nr. 17 am 5. Juli 1946 in großem Maßstab anlief.58 Im August 1946 erschien innerhalb der Reihe „Briefe über Österreich“ eine mehrteilige Serie über die beschlag- nahmten Zistersdorfer Erdölfelder, in der auf die Rolle der Roten Armee bei ihrer Wiederinstandsetzung besonders hingewiesen wird. So berichtet „Za čest’ Rodiny“ etwa über eigens aus der Sowjetunion nach Österreich beorderte Erdölfachleute, die innerhalb kurzer Zeit Öl „für unsere Armee und die Volks- wirtschaft Österreichs“ gewinnen konnten. Die „deutschen Kapitalisten“ hin- gegen hätten sich in keiner Weise um das Wohl der Arbeiter gekümmert und weder Schulen und Klubs noch Krankenhäuser oder Kindergärten errichtet.59 Als weitere Legitimation für die „auf der Basis der Beschlüsse der Potsdamer Konferenz“ erfolgte Übernahme wird auf den bereits geleisteten sowjetischen Einsatz verwiesen: „Tausende Kriegsgefangene – Russen, Ukrainer, Tschechen“ 56 A. Šarov, Pis’ma o Vene, in: Za čest’ Rodiny, 16.6.1946, S. 6. Vgl. dazu auch Iber, Die Sowjetische Mineralölverwaltung, S. 120–122. 57 A. Šarov, Pis’ma o Vene, in: Za čest’ Rodiny, 30.6.1946, S. 7. 58 Siehe dazu auch das Kapitel A.III.6 „Das Wirtschaftsimperium“ in diesem Band. 59 A. Šarov, Pis’ma ob Avstrii. V Cistersdorfe, in: Za čest’ Rodiny, 11.8.1946, S. 4.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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