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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. Mündlich wiedergegebene Erinnerung: Topoi und Tabus Der als Synonym für Schrecken verstandene Ruf „Die Russen kommen!“ eilte der vorrückenden Roten Armee Anfang 1945 in Österreich ebenso voraus wie in Ostdeutschland. Bis heute sind die Erinnerungen der österreichischen Bevölkerung zumindest ambivalent, wenn nicht auffallend negativ konnoti- ert. Vielfach werden Erzählungen von Übergriffen, Plünderungen und ver- schiedenen Formen der Kulturlosigkeit der sowjetischen Besatzer tra diert, die positive Erinnerungen an die meist auch als kinderlieb erlebten „Rus- sen“, Lebensmittelhilfen oder galante Offiziere überlagern. Wie hinlänglich bekannt ist, wird auch jenes Klischee von den Alkohol, Kinder und Uhren liebenden sowjetischen Soldaten häufig wiederholt.38 Während sich zahlreiche Studien mit der Erinnerung der österreichischen Bevölkerung an die „Russen“ auseinandersetzen, ist bisher wenig über das persönliche Bild ehemaliger sowjetischer Besatzungssoldaten von Österreich bekannt. Ihre Empfindungen, wie das Leben in der Fremde mit den Frem- den ihrerseits wahrgenommen wurde, die Sicht der „anderen“ Seite, blieben versperrt.39 In der sowjetischen und postsowjetischen Historiografie stand die Erforschung der unmittelbaren Kriegsereignisse oder außenpolitischer wie wirtschaftlicher Fragestellungen im Vordergrund. Und für die österrei- chische Forschung war die Kontaktaufnahme mit einheimischen Zeitzeugen unvergleichlich einfacher zu bewerkstelligen als mit Veteranen in der (ehe- maligen) Sowjetunion. Erst im Zuge des internationalen Forschungsprojek- tes „Die Rote Armee in Österreich“ wurde eine erste Oral-History-Studie mit ehemaligen sowjetischen Besatzungsangehörigen und Offiziersgattinnen in Österreich durchgeführt, die anschließend durch Einzelinterviews erweitert wurde.40 Auf der Basis der vorliegenden rund 60 Interviews kann im Folgen- den der Frage nachgegangen werden, welche Themen in Interviews eher tabuisiert, welche auf der anderen Seite wiederum betont und welche retro- spektiven, möglicherweise mythologisierten und verklärten Bilder von der Zeit in Österreich vermittelt werden. 38 Vgl. etwa Dornik, Besatzungsalltag in Wien; Hannl, Mit den Russen leben, S. 124. 39 Hannl, Mit den Russen leben, S. 6. 40 Bezborodov – Pavlenko, Erinnerungen an Österreich. Eine Analyse des Interviewsamples wurde auch im Rahmen einer Diplomarbeit unter der wissenschaftlichen Leitung von Ol’ga Pavlenko durchgeführt, der ich herzlich für zahlreiche Hinweise im Zusammenhang mit diesem Thema dan- ke. Vgl. Dar’ja Sergeevna Gorčakova, 1945 god v kontekste „ustnoj istorii“ Vtoroj Mirovoj Vojny (po materialam interv’ju veteranov Svoetskoj Armii i uznikov Tret’ego Reicha). Phil. DA. Moskau 2004.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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