Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Page - 724 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 724 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Image of the Page - 724 -

Image of the Page - 724 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Text of the Page - 724 -

III. Formen der Erinnerung724 nur ihre [Autoren] lesen, sondern auch andere. Die Bibliotheken waren in ih- ren Häusern immer gut, die Bücher gut ausgestattet, nicht so arm wie bei uns.“116 Danach kommt der Veteran auf die Tischsitten zu sprechen, die ihm ebenfalls positiv auffielen: „Nun, die Gedecke, für Hauptspeisen, den Nachtisch. Zu Tisch benahmen sie sich natürlich ruhiger, nicht so wie wir: Wir essen die Vor- und Hauptspeise mit dem Löffel. Sie essen nämlich die Hauptspeise mit Messer und Gabel. So ist das, verstehen Sie, so ist das.“117 Abgesehen von den Manieren betont Obolenskij zudem die bessere Wohnsi- tuation in Österreich: „Und wir hielten die Österreicher nicht für unsere Fein- de. Die Leute lebten, sie lebten natürlich gut, die Österreicher: eigene Häuser oder zwei-, dreistöckige Häuser mit mehreren Wohnungen, meistens mit ei- nem eigenen Eingang in jede Wohnung. So, Küche, Wohnzimmer, unbedingt ein Schlafzimmer, wenn es noch Zimmer gibt: ein Kinderzimmer und diverse andere Zimmer. Und schöne Bettwäsche. Und auch schöne Kleider.“118 An- schließend hebt der in Moskau lebende Veteran die damaligen österreichi- schen Bekleidungssitten hervor, die er – trotz anfänglicher Verwunderung – gleichfalls als „kultiviert“ empfindet: „So, am Sonntag gingen sie gerne in die Berge, sich erholen, sie zogen eine Jacke, ein weißes Hemd, eine Krawatte, einen Hut und kurze Hosen, nun, meistens Lederhosen, kurze, an und Stiefel. Und so gingen sie in die Berge. So. Für uns war das am Anfang natürlich sehr komisch, wie man so sagt, aber dann gewöhnten wir uns daran. […] All das ist ja ein menschliches Aussehen, sozusagen. Da geht nicht irgendein Räuber, sondern ein kultivierter Mensch.“119 Die Lederhosen blieben auch Anatolij Prjachin, der bis 1955 als Überset- zer in der Kommandantur in Urfahr arbeitete, in Erinnerung. Der damalige Major empfand dieses Bekleidungsstück ebenfalls als gewöhnungsbedürftig und zugleich erheiternd: „Sie gingen dort in kurzen Lederhosen, diesen ziem- lich schmutzigen. Unser Major sagte sogar lachend: ‚Je schmutziger, desto 116 OHI, Obolenskij. 117 Ebd. 118 Ebd. 119 Ebd. Abb. 122: Österreicher mit Gamsbärten am Hut hinterließen einen bleibenden Eindruck bei sowjetischen Besatzungssoldaten. (Quel- le: AdBIK, Foto: Zajcev)
back to the  book Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Stalins Soldaten in Österreich