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über wichtige Ereignisse in ihrem Umfeld zu vermitteln. Dies betraf sowohl
die österreichische Innenpolitik als auch Informationen über einschlägi-
ge Veranstaltungen, etwa des „Hauses der Offiziere“. Weiters sollte sie zur
politischen und militärischen Schulung der Besatzungsangehörigen beitra-
gen. Schließlich zielte die Berichterstattung darauf ab, ihre – wohl beinahe
ausschließlich – sowjetischen Leserinnen und Leser vor dem „feindlichen“
Einfluss im Ausland eindringlich zu warnen. Zunehmend verschob sich der
Schwerpunkt vom Feindbild der „deutsch-faschistischen Eroberer“ auf die
ideologische Konfrontation zwischen Kapitalismus und Kommunismus.
Doch gibt es auch Quellen, die ein differenziertes Bild der sowjetischen
Besatzung in Österreich zeichnen. Private Aufzeichnungen wie jene des be-
rühmten sowjetischen Lyrikers Boris Sluckij, die ohne Angst vor innerer und
äußerer Zensur entstanden, oder auch so manche Interviews erlauben einen
Blick hinter die Kulissen. Sluckij, der das Kriegsende in Österreich erlebte,
verfasste gleichsam als Tagebucheintragungen zeitnah seine „Notizen über
den Krieg“. Publiziert wurden sie unter dem Titel „Über die anderen und
über mich“ allerdings erst 60 Jahre später. Relativ schonungslos spricht er
darin eine Reihe von in der Sowjetunion tabuisierten Themen: den – unter
anderem von Ėrenburg – geschürten Hass auf die Deutschen, von Rotarmis-
ten verübte Rache, Antisemitismus in der sowjetischen Gesellschaft und Ar-
mee, Plünderungen, Vergewaltigungen oder Liebesaffären mit einheimischen
Frauen ebenso wie das Empfinden eines Gefühls von Freiheit durch die Kon-
frontation mit Europa.
Am 1. Juni 1955, vier Monate vor dem Abzug der Truppen aus Österreich,
schrieb „Za čest’ Rodiny“: „Die Welt kannte noch keine Armee wie unsere
Sow
jetische Armee.“11 In diesem Fall lagen die Innensicht von Stalins Solda-
ten in Österreich und die Außenwahrnehmung wohl nahe beieinander.
11 Materialy k političeskim zanjatijam. Za rubežom rodnoj strany vysoko deržat’ čest’ i dostojnstvo
sovetskogo voina i byt’ osobenno bditel’nym, in: Za čest’ Rodiny, 1.6.1955, S. 5.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918