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Tagebücher170
lord sommerset, valabregue, der sohn der catalani, die hier lebt, mehrere
engländer, ein römer celoni, ein lion von hier, fauteur der duchesse de ca-
stigliano, etc.
ich traf dort eine menge römer, und einige andere Bekannte, unter jenen,
hans kollowrat, die unseligen náko`s, Bérénji, karaczonji etc., trotzdem en-
nuyirte ich mich, da ich keine der damen auf der tribune kannte, und fuhr
um 1/2 5 allein nach Hause, um Briefe zu schreiben; bald darauf kam Orsini,
um uns, d.h. tiesenhausen und mich, da heute keine Pergola sey, auf den
Abend zu engagiren.
nach tisch fuhr ich mit kar. und tiesenh. zu dem gesandtschafts-cour-
rier müller, welcher eine menge korallensachen von neapel für mich zur
Auswahl mitgebracht hatte, die ich en commission für flore bestellte. ich
suchte da ziemlich vieles aus, einiges Andere nahm karacz. und hans k.
der ebenfalls hinkam, und fuhr dann nach hause, wo wir in aller eile toi-
lette machten und zu Orsini gingen; dort fanden wir sehr wenig Menschen,
die mutter der gräfin orsini, orloff, eine noch ziemlich hübsche, äußerst
lebhafte und geistreiche französin, welche die hauptfrais der conversation
machte; später ihn Orloff, Grothus, Obolenski, einen alten Franzosen de la
vieille race, und ein Paar andere Herren; es verging uns aber die Zeit sehr
angenehm und schnell, so daß es 12 uhr wurde, ohne daß wir es bemerkten.
orloff lud uns auf heute zu sich zu tisch, en famille.
[florenz] 17. April Abends
nach 12 ging ich aus und in die galerie medicis, um mir all die schönen sa-
chen, die ich noch in ziemlich frischem Angedenken hatte, nochmals zu bese-
hen; besonders frappirten mich von Statuen die Niobe und einige ihrer Kin-
der und die Venus accroupie; von Bildern eine heilige Magdalena von Carlo
dolce (halbe figur, bethend) superbe, eine madonna von sassoferrato und
eine Buste der sibylle von guido reni, die flora von titian, eine santa lucia
mit einer strahlenden Wunde am hals von carlo dolce, eine copie der mag-
dalena von correggio in dresden von christoforo Allori, eine frau des Puti-
phar mit Josef von Biliverti, und endlich die magnifique, unbeschreibliche
tribuna, die man nie genug sehen, und von der man sich nie losreißen kann,
und darin vornehmlich die venus von medicis, die lottatori, der Arretino,
und von Bildern die fornarina, die vierge du chardonneret, der heilige Jo-
hannes der täufer und Julius ii von raffael, die sibylla und der eudymion
von guercino, eine madonna mit 4 figuren von A. del sarto, zwei venus von
titian, eine Bacchantin und groupe von Ann. caracci, eine madonna von
correggio und eine von guido reni. Als ich mir alles dieß sattsam angesehen
hatte, ging ich ein wenig herum shopping, machte bey Pimroth einige em-
plettes und ging dann nach Hause; später ging ich mit Tiesenh. zu Grothus
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien