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April 1841
berühmte statue canova’s, die venus. nachher ging ich ein wenig shopping,
zu Pimroth, etc., dann etwas herumflaniren und endlich nach hause, wo ich
toilette machte und um 6 zu Rewicky zum Essen fuhr; es waren lauter Be-
kannte und Österreicher da, darunter Beccaria, Gubernial-Rath in Mailand;
graf rewicky stellte mich seiner frau vor, die ich eine sehr üppige ange-
nehme gestalt, aber sonst weder besonders aimable noch comme il faut fand.
Als echt ungarisches diner wurde viel getrunken und gesundheiten ausge-
bracht, u.a. des kaisers, dessen geburtstag heute ist. Als ich nach hause
kam, fand ich eine Botschaft der orloffs, die mich erwarteten, um mich zur
gräfin sakrewska zu einer soirée dansante zu führen. ich fuhr also, als
ich eine Pfeife geraucht hatte, dahin und nach einer halben stunde zu sa-
krewski, wo sich nach und nach ziemlich viel leute, beinahe ausschließlich
Fremde, einfanden; es wurde getanzt, ich aber tanzte blos eine Contredanse
d’etiquette mit der tochter vom hause, welche sehr jung, recht hübsch, und
500.000 rubel revenuen haben soll!! nach 12 uhr nahm ich von orloffs, or-
sinis etc. Abschied; Orloffs wollten mich noch auf morgen zum Essen haben,
und fuhr nach hause.
unter andern waren bey sakrewsky die schriftstellerin lady Bulwer, eine
schöne blue stocking looking frau, und ein sohn o’connells.
mailand 23. April
Am 20. d.i. dienstag ging ich noch ein mal in den Palazzo Pitti, wo ich
tiesenh[ausen] rendez-vous gegeben hatte, welchen ich à la suite der gräfin
goës fand, die ein herr vom hofe, dessen nahmen ich nicht weiß, herum
führte; wir sahen auf diese Art die untern Säle mit mehrern Fresken, ei-
nem magnifiquen kürzlich vollendeten Bilde von Benzoni, den einzug carl
8 von frankreich in florenz darstellend,1 und eine schöne gruppe, la ca-
rità von Bartolini, dann die großherzogliche silberkammer, von der ich mit
t. échappirte, um in das Atelier des berühmten Bildhauers Bartolini zu ge-
hen, wo wir einige sehr schöne sachen, u.a. eine Betende auf den knien, auf
ihren fersen sitzend (superbe), und das monument des grafen demidoff,
noch in der Arbeit, sahen; von da gingen wir einige Empletten machen, ich
vollendete meine rechnung mit dem sang-sue Pimroth und ging dann nach
hause, wo ich meine koffer schloß und wegschickte. um 3 uhr gingen wir
zu Karaczonji, welcher meiner Abreise zu Ehren ein Diner gab; wir waren en
trois und der dumme Junge Náko als viertes oder vielmehr als 5. Rad; das di-
ner war miserabel, noch schlechter die getränke, es arrivirte nebstdem eine
menge malheur, kalte speisen, gebrochene flaschen, etc., doch aber waren
1 richtig giuseppe Bezzuoli. sein als Auftragswerk für den Palazzo Pitti geschaffenes Bild
„l’entrata di carlo viii a firenze“ wurde bereits 1829 fertiggestellt.
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien