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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 187 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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18719. Juli 1841 mache vielleicht von dort ganz incognito einen Abstecher nach stuttgardt in Angelegenheiten meiner südamerikanischen reise, welche sich immer mehr und mehr in mir verkocht, und kehre dann hieher zurück, bis ich im Winter nach Wien gehe, um dort an meinem schicksal zu rütteln. violà mes projets. [mailand] 19. Juli ich führe jetzt ganz so ein ruhiges leben wie ich es wünsche, und befinde mich sehr wohl dabey. der Artzt hat mir nähmlich verbothen, viel und be- sonders während der heißen stunden auszugehen, und so lasse ich mir die- jenigen meiner Ackten, welche nicht meinem concepts Pracktikanten zufal- len, nach hause bringen, wo ich täglich bis gegen 5 uhr nachmittags bleibe, dann gewöhnlich ein Bad nehme und ausgehe. dabey finde ich denn, nebst jenen geschäften, noch vollauf Zeit, mich mit meinen Büchern zu beschäfti- gen und an der vollendung meines Werkes zu arbeiten, welches einige um- gestaltung erfährt; ein Beweis wie viel kostbare Zeit durch das Bureaulaufen unnütz versplittert wird. kaum als ich insoweit hergestellt war, um ausgehen zu können, ging ich zum grafen spaur, um mit ihm über meine neuerliche Abweisung zu spre- chen, nachdem ich ihm von meinem gesuche früher nie etwas gesagt hatte, weil ich den Augenblick abwarten wollte, wo es um Bericht an ihn kommen würde; dieß ist aber, wie ich durch ihn erfuhr, gar nicht geschehen, sondern das gesuch wurde, nachdem es 3 monathe gelegen hatte, ohne Weiteres abgewiesen; ein sehr unceremoniöses und unobligeantes Vorgehen. Spaur sagte mir, was ich schon wußte, daß er en maxime gegen alle supernumerä- ren Anstellungen sey, und ich sagte ihm dagegen, daß, da ich ein mal lancirt sey, mir nichts übrig bleibe, als in der begonnenen Carrière fortzudienen; davon war er nun ebenso überzeugt, und somit endete diese nothwendige explication. clementine mocenigo ist seit ein Paar tagen hier, ziemlich leidend und übel aussehend. die arme frau hat sich mit ihrer heirath gewaltig verrech- net; sie glaubte, eine Convenienzheirath zu machen, wobey sie ihren Mann nur wenig um und bey sich haben würde, eine calme, ruhige ehe, wo jeder Theil seinen Weg geht, ohne sich gerade weder zu lieben, noch zu hassen; statt dessen aber hat sie in mocenigo einen ganz höflichen, aber unbeug- samen haustyrannen gefunden, welcher ihr nicht von der seite geht und mit der besten Art von der Welt in jeder kleinigkeit unbedingte unterwür- figkeit verlangt; bis jetzt geht das Ding noch so ziemlich gut, und Clemen- tine scheint viel nachgiebiger und vernünftiger zu seyn, als ich je gedacht hätte; aber wie es sich in der Folge machen wird, wissen die Götter. Ihre eltern machen aus lauter gutmüthigkeit das ding nur immer ärger, indem sie sie unaufhörlich bedauern und auch unaufgefordert ihre Parhey nehmen;
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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