Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
Page - 196 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 196 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

Image of the Page - 196 -

Image of the Page - 196 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

Text of the Page - 196 -

Tagebücher196 statt dessen sitze, oder eigentlich liege ich nun da, lese oder schreibe den ganzen lieben tag, und da nun schon ziemlich lange Abende, welche dadurch noch länger werden, daß ich bey diesem ruhigen leben wenig schlaf habe und daher spät zu Bette gehe, und ennuyire mich oft, daß es einen stein erbarmen möchte; freylich habe ich täglich Besuche, aber was ist das im Ver- gleich mit 17–18 stunden, die ich täglich mit lesen, etc. zubringe, so daß ich oft geistig so müde bin wie ein altes fiackerroß! eine hübsche junge Person, die sich einbildet, meine amorosa zu seyn, kommt auch manchmal mich besuchen und unterhält mich am besten, da sie mir mit einer charmanten unbefangenheit alle ihre kleinen leid und Freuden erzählt; heute ist ihr ein Kanarienvogel krepirt, gestern warf ihr ihr vater einen teller vor die füße, weil er ein steinchen in dem risi fand etc., es gibt doch kein fröhlicheres harmloseres geschlecht auf erden als diese mailänder grisettes! gottfried war auf ein Paar tage hier und wohnte bey mir, was mich ein Bischen zerstreute; ich hatte ihn herein citirt, weil man mir von Schulden, etc. geschrieben hatte, was ich ergründen wollte; es ist aber nicht so arg als man glaubte; es ist ein vortrefflicher Bursche, schade daß er nicht alle die Anleitung hat, die ihm wohlthätig wäre. im grunde ist mir meine gegenwärtige reclusion von vielen nutzen, da ich während derselben mehr lese und studire, als vielleicht in dreifacher Zeit unter anderen Umständen; ich fange nun an, viel über America und des- sen Zustände zu lesen als vorbereitung zu meiner reise, welche immer noch mein Lieblings Gedanke ist; ich habe mit Tocquevilles Werk über die Ver- einigten Staaten den Anfang gemacht;1 leider aber gibt es wenigstens mei- nes Wissens über spanisch America, welches gerade das Ziel meiner reise wäre, wenig oder gar kein befriedigendes Buch. Auch beendete ich dieser tage mit vieler mühe des Baron corvaja famoses (wenigstens in mailand, seinem entstehungsorte, famoses und durch neipperg mir angepriesenes) Buch, la Bancocrazia, welches aber ein erbärmliches Produckt ist,2 corvaja interessirte mich, als er noch da war, jetzt ist er in Paris, wo er dem minister humann ein Anleiheproject presentirt hat, denn er ist ein Projecktenmacher von profession, durch seine rednergabe und Persönlichkeit, aber sein Werk blieb weit unter meiner erwartung. 1 Alexis de tocqueville, de la démocratie en Amérique. 2 Bde. (Paris 1835–1840). 2 Giuseppe Corvaja, La bancocrazia o il gran libro sociale novello sistema finanziario che mira a basare i governi su tutti gl’interessi positivi dei governati. 2 Bde. (mailand 1840– 1841).
back to the  book „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“