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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 216 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher216 wig sagt, ich gäbe zu viel geld aus, und was noch andere leute meinen und sagen, das wird mir Alles getreulich gemeldet, und ich ärgere mich oft selbst darüber, daß mich Alles dieses verstimmt, aber es ist denn doch so, und da sehe ich denn immer mehr ein, daß ich für unser spießbürgerliches bu- reaukratisches leben unter den Anforderungen, welche man dabey an uns macht, ein und für Alle mahl nicht tauge, und daher jede mühe verloren ist, in demselben zu bleiben. niemand soll gegen seine natur anstreben. Wäre ich nur unabhängiger durch mein vermögen gestellt, ich wüßte wohl, was ich thäte. und damit recht viel unangenehmes in eine möglichst kurze spanne Zeit sich zusammendränge, hat mir auch clotilde lottum von florenz geschrie- ben, ihr Plan und Wunsch, sich eine abgesonderte unbewachte Wohnung zu nehmen, sey zu Wasser geworden, indem ihr onkel ihr eine bey und neben sich arrangirt hätte, in einer Art, daß sie sie nicht wohl habe ausschlagen können, und nun sey sie von kellnern und kammerdienern umlagert, daß es ein gräuel sey. ich antwortete ihr dar[auf], proponirte ihr verschiedene Aus- wege und mittel, um uns, wenn ich nach florenz käme, ungestört zu sehen, und fragte sie zugleich ganz aufrichtig, ob sie unter diesen umständen wün- sche, daß ich nach florenz komme oder nicht, ich erwarte nun ihre Antwort, und so ist selbst diese fahrt, von der ich mir so viel vergnügen versprach, nun in frage gestellt. Auguste [horrocks] habe ich geschrieben, ihr den stand meiner Aussich- ten mitgetheilt, ihr gesagt, daß ich sie weder in florenz noch in friaul noch sonst wo viel würde sehen können, vu la position exceptionelle et donteuse de la comtesse camerata, bey der sie leben würde, vis-à-vis de notre gou- vernement, daß mein erscheinen in england im kommenden frühling zwar nicht ganz gewiß, jedoch wahrscheinlich sey, daß aber falls die camerata sie nicht nur auf ein Paar monathe zu sich nehmen, sondern ihr ein sort machen wollte, ich sie bäthe, es dennoch anzunehmen, indem dieses ihr durch ihre jetzige keinesweges beneidenswerthe ökonomische lage doppelt ernstlich gebothen sey. so habe ich mich, wie ich glaube, auf die beste und gescheidte- ste Art aus der Affaire gezogen. das gesellige leben hier in mailand fängt nach und nach an lebhafter zu werden, wir machen merklich Brèche dans la parti populaire zum großen verdrusse einiger ultra-katzelmacher, deren es aber immer wenigere gibt. letzthin machte ich eine glorieuse entrée im salon der gräfin somaglia, die sehr hübsche soiréen gibt und bisher immer äußerst viel auf die sogenannte aria Pura, d.h. entfernung aller deutschen, hielt, freylich bin ich, außer dem erzherzoge carl ferdinand, bisher der einzige deutsche in jenem Paradies, von damen bloß die spaur’s und die drey hofdamen, es amusirte mich sehr letzthin, als ich mit gabrielle eintrat, die frappirten gesichter jener wenigen
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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