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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher224 comfortable, au coin de mon feu, in meinem eleganten Appartement, eine menge Zeitungen und Bücher um mich etc., nur das essen war nicht irre- prochable. nach 8 uhr fuhr ich zu Wasa, fand die Prinzessinn, uechtritz, gräfin reviczky (welche wirklich magnifique ist, das ist nicht zu läugnen), Prinz Jerôme monfort, der wie man sagt, der patito der Prinzessinn ist, ce qui du reste ne l’empêchait pas, comme c’est son habitude de me lancer des œillades passablement coquettes, und noch ein Paar herren, darunter den alten holländischen general Bylandt, mit dem ich im hôtel des Bergues in genf zusammen war, und der die verzweiflung und den Ärger der Prinzes- sinn erregte, weil er ohne sich annonciren zu lassen, ohne daß sie auch nur wußte, wer er sey, ich sagte es den damen erst, hereintrat, mit einer merk- würdigen nonchalance im salon auf und ab spatzierte und der Prinzessinn eine menge lächerliche fragen stellte, z.B. si elle connaissait le cour etc. übrigens sagte ich ihr dann, er sey dafür bekannt, stark timbré zu seyn und daher nicht zurechnungsfähig. gegen 9 uhr begleitete ich gräfin reviczky zu ihrem Wagen und fuhr dann zur orloff, wo nach und nach ziemlich viel leute ankamen, unter andern gräfin thurn sammt famille und einem hau- fen oesterreicher, egger, rothkirch etc., die sie alle, so wie mich, bey loba- noff vorstellen sollte, sie machte mir zärtliche vorwürfe über mein gestriges Ausbleiben von ihrer soirée, ich aber beging, um mich vollends bey ihr zu verderben, gleich darauf meine zweyte sünde wider sie, da es mich nem- lich ennuyirte, mich so schockweise bey lobanoff einführen zu lassen, und mehr als das, da gräfin lottum gerade erst angekommen war, so machte ich ihr weiß, daß mein Wagen noch nicht da wäre und ließ sie abziehen, ohne mit ihr zu gehen. sonst waren unter andern damen noch da eine ziemlich amusante alte Polin, gräfin stryzowo oder so was, geborene Potocka, dann die hübsche und elegante marquise Bonetta, der ich mich vorstellen ließ, fürstin obolenski etc., und um das Beste zuletzt zu nennen, lottum und meyendorf. nach und nach fange ich an, clotilden trotz aller verabredungen so ziemlich offen den hof zu machen, was auch nichts auf sich hat, da es noch eine menge andere leute gibt, die dasselbe thun. kaum war sie weg, so fuhr ich auch zu lobanoff, suchte die thurn auf und ließ mich der win- zig kleinen und ziemlich vulgairen fürstinn vorstellen, es war ein komple- ter rout und alle salons zum erdrücken voll, man tanzte, und da lottum lust bekam, tanzte ich einen Walzer mit ihr, es war der einzige, welchen sie und ich tanzten, sie war schön wie ein engel und tyrannisirte mich wie eine wahre femme élégante, ich sprach eine Zeit mit der meyendorf, da warf sie mir einen strengen Blick zu, und ich gehorchte, sie verboth mir mit gräfin reviczky zu sprechen, und ich that es, das sind goldene fesseln, die man küssen möchte. übrigens scheine ich bey Prinzessinn Wasa sehr in gnaden zu seyn, denn die uechtritz lud mich hier auf heute Abend zum thé en petit
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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