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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 228 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher228 meine frühere Wohnung bey Weitem schöner war. et maintenant, faisons un retour sur nous, mêmes, ich weiß nicht, wie Alles dieses enden wird, und zittere bey dem gedanken an meine nahe bevorstehende Abreise, ich werde mit jedem tage verliebter, und der umgang mit clotilden wird mir nach und nach so sehr zum Bedürfnisse, daß ich wirklich nicht weiß, wie ich es anfan- gen werde, wenn ich diesen werde entbehren müssen, alle tage liebe ich sie mehr und heftiger, und ich zähle meine stunden nur nach denen, die ich bey ihr zubringe, und ich glaube nicht, daß sie mich weniger liebt, als ich sie, sie ist so schön, so elegant, so comme il faut, so amusant, so unendlich graziös in ihrer conversation so wohl als in der geringsten ihrer Bewegungen, daß ich oft stumm vor ihr sitze vor entzücken und Anbethung und sie bloß mit den Augen verschlinge, ich erinnere mich nicht, jemals so leidenschaftlich verliebt gewesen zu seyn, und besonders, meinen kopf eben so sehr als mein herz berauscht zu haben, sie hat eine so unendliche piquante Anmuth und lebhaftigkeit in der Art, wie sie mir ihre faveurs accordirt und abschlägt, daß ich nach dem einen wie nach dem Andern nur noch verliebter werde, wie früher. Wir sprachen gestern sogar vom heirathen, natürlich nur als discurs, gott weiß aber, daß ich nichts sehnlicher wünschen würde. sie will mir meine Amerikanische reise ausreden und meint, das sey unsinn, und ich sollte lieber diesen sommer nach ems oder deutschland und nächsten Winter nach rom zu ihr kommen, jenes geht nun wohl nicht an, wohl aber könnte ich sie noch vor meiner reise in deutschland irgendwo sehen. ob aber diese sobald stattfindet, ist überhaupt seit den letzten ereignissen noch unsicher, das aber weiß ich, daß gerade meine wachsende leidenschaft für clotilde mir sie noch wünschenswerther macht als zuvor, denn mit dieser im herzen kann ich meinen gegenwärtigen langweiligen Beruf nicht fort- treiben, my heart quails unter dem gedanken, ihn bald, wenn auch nur auf Augenblicke, wieder reassumiren zu müssen, und immer weiter divergiren Berufsbeschäftigung und neigung für mich aus einander, lange kann ich es nicht mehr aushalten, und so ist mir ein Ausweg nothwendig, ich spreche ihr zu, auf ihrer rückreise nach deutschland durch Wien zu kommen, wo ich sie sehen würde. sie erzählte mir gestern, Julie samoyloff sey in Paris ganz en vertu aufge- treten, mache ein superbes haus und sey von Allem was Paris Ausgezeich- netes und großes hat, recherchirt und gefeyert. das wundert mich, obwol ich weiß, daß sie, wann sie es will, vollkommen comme il faut seyn kann, aber mich wundert, daß sie es will, sie soll neulich einen Pariser lion, der sich ihr mit zuviel Assurance nahte, ganz excellent zurechtgewiesen haben: Aumoins, mr. le marquis, il a fallu toujours me plaire, et vous ne me plaisez pas. von dem laffen martini redet kein mensch, er wird wohl zu der rolle eines Privatsekretärs herabgesunken seyn. Apropos de cele, erhielt sein Bru-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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