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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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2475. Februar 1842 Auch mir hatte h. Würtemberg, während ich sie am Arme herumführte, unglaubliche acht- bis neunjährige geschichten von mir erzählt, welche mich, wie gut ich auch die erzählerinn kannte, doch unendlich intriguirten, weil ich noch heute nicht begreife, wie sie darauf gekommen ist. im ganzen ennuyirte ich mich weidlich wie gewöhnlich auf solchen mas- kenbällen, wenn man nicht ein interesse für eine maske hat, so freundlich auch clotildens Blicke waren und das, was ich in ihren schönen Augen las. um 3 uhr ungefähr führte ich sie und Potocki die gräfin choiseul ins foyer und dann zum Wagen, und dieses war beynahe der einzige moment, wo ich mit ihr ein unbewachtes Wort sprechen konnte. die beyden damen hatten, ehe sie ins theater fuhren, zu mir hinüber geschickt, weil sie wünschten, ich sollte sie begleiten und der gräfin choiseul, während clotilde toilette machte, gesellschaft leisten, wie schade, daß ich nicht zu hause war. nachher ging ich mit Potocki noch ein wenig ins Parterre hinab und hier- auf fort und in den so genannten Bottegone, ein café restaurant am dom- platze, dort soupirten wir ein bischen, rauchten eine cigarre etc. Potocki, ein mensch in den dreyßigen, scheint mir ganz homme de bonne compagnie, nur etwas stark Pole, d.h. fanfaron und grand parleur, dabey sehr aigrirt durch seine unglücke, er hat den revolutionskrieg mitgemacht und dann in der Jelski’schen Bank in Paris fast all sein vermögen verloren,1 und lebt nun schon seit 6 Jahren hier. noch aigrirter aber schien er mir über die untreue der Zappi, welche ihn ganz neuerlich für napoléon monfort plantirt hat. er zog sehr bitter über italien und besonders über die italienischen frauen los – hinc illae lacrymae. um 1/2 5 uhr kam ich nach hause. clotilde hatte mir bereits nachmittags gesagt, sie würde mich Abends nicht mehr sehen können, da sie ihrer ge- sundheit wegen nicht gar so lange aufbleiben dürfe, und so redete ich dann am Balle gar nicht mehr mit ihr darüber. [florenz] 5. februar mir wird angst und bange wegen meiner rückreise, es ist das schönste Wet- ter von der Welt bis auf den wüthenden Wind, welcher nun seit vorgestern Abend mit einer unglaublichen heftigkeit bläst. Wird bey diesem sturme, welcher allem Anscheine nach anhalten wird, ein dampfschiff abgehen? und selbst in diesem falle risquire ich nicht, tage lange auf dem meere herum- geworfen zu werden, wie ein hund zu leiden und am ende nicht einmal in genua anzukommen? wie es clotilden auf ihrer herreise geschah. nebstdem 1 ludwik Jelski, seit 1828 Präsident der Bank von Polen, emigrierte nach der niederschla- gung des polnischen Aufstands 1831 nach Paris und gründete dort eine Bank, die sich hauptsächlich auf die gelder der polnischen emigration stützte. sie ging 1841 in konkurs.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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