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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher254 mich besonders amusirte. mit mir, da ich im vertrauen war, konnten sich clotilde und mad. vivier natürlich nicht viel beschäftigen, sondern sie be- schränkte sich darauf, mich zu grüßen und mir manchmal in der stille ein freundliches Wort zu sagen. gegen 2 uhr aber wurde mir angst und bange um mein versprochenes letztes rendezvous, denn um 1/4 4 uhr hatte ich die Pferde bestellt. ich suchte also clotilde auf, die auch trotz dem daß sie sich über alle maßen amusirte, gleich weg wollte, da mußten wir aber erst eine Wanderung durch Parterre und foyers nach mad. viviers Bedienten antreten, und es fand sich, daß dieser den Wagen erst um 3 uhr bestellt hatte. Was war da zu thun? man kann sich meinen Ärger, meinen verdruß vor- stellen, ich brusquirte alles, die masquen die mich ansprachen, ja beynahe die arme mad. vivier selbst. clotilde war beynahe ebenso ärgerlich wie ich, aber es war nichts zu thun. Wir gingen daher Alle in die loge einer mad. thomson, der mich die vivier aufführte, und von der ich in meinem Ärger nicht die geringste notiz nahm, ich schäme mich beynahe darüber. doch hatte ich früher in einer loge eine masque gefunden, welche mich sehr interesssirte, sie schien eine französinn oder Polinn zu seyn, sehr comme il faut, eine charmante hand und fuß, blaue Augen, eine schöne fi- gur, und sagte, ich kenne sie nicht, hätte sie aber überall in der Welt, d.h. in florenz, gesehen. ihre conversation war sehr interessant, trotz meiner drin- genden Bitten wollte sie sich mir nicht nennen, versprach mir aber feyerlich, wenn wir uns einmahl irgendwo begegnen sollten, sich mir da zu offenbaren! Wir wollen sehen, ob sie Wort hält. endlich bath clotilde charles Poniatowsky, der sie erkannt hatte, er möchte sie nach hause führen lassen, und er begleitete sie selbst. ich war kurz vorher gegen 3 uhr nach hause gekommen, hatte die Pferde bis 4 uhr abbestellen lassen und zog mich in reisekleider um. dann ging ich zu clo- tilden, ich hatte es so veranstaltet, daß kein kellner meiner Abreise wegen auf war und mich bloß Portier, hausknecht und mein Jäger beym Wagen erwarteten. clotilde war Anfangs noch ganz kindisch, froh und lustig über ihren suc- cés am maskenballe und behauptete, sie hätte sich in ihrem leben nie so amusirt, dann aber, als die rede auf unsern Abschied kam, wurde sie so traurig und leidenschaftlich, als ich es von ihrer liebe erwarten konnte. trotz unseres feyerlichen versprechens, uns diesen sommer wieder zu se- hen, riß ich mich nur langsam und mit blutendem herzen von ihr los, und sie hing sich an mich, wollte mich nicht los lassen und bedeckte mich mit schmerzlichen küssen. mir war, als könnte ich nicht von ihr fort, und doch empfand ich mehr verwunderung als schmerz, ich hatte mich so an sie ge- wöhnt, daß ich nicht glauben konnte, es sey mit der trennung ernst, der
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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