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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher260 los werden? und wenn meine reiseprojekte wenigstens für den Augenblick keine Ausführung finden sollten und ich daher im nächsten sommer meine geliebte clotilde wieder von hier aus irgendwo aufsuchen soll, was wird es dann erst für einen lärmen geben? und doch würde ich mir diese freude auf keinen fall, es koste was es wolle, versagen. nebstdem wird mir jetzt, da der Augenblick herannaht, wo ich in Wien entschieden für meine Pläne auftreten soll, für deren gelingen bange, werde ich im stande seyn, gegen den spießbürgerlichen, hausbackenen sinn unse- rer Potentaten mit meinen außergewöhnlichen ideen durchzudringen? und mehr als das, werde ich in dem die Jahre ehrenden oesterreich bey meiner Jugend mir das vertrauen erwerben können, ohne welches ich nicht hoffen kann zu réussiren? und ist vorauszusetzen, daß eine so nüchterne regie- rung als die unsrige unter diesen verhältnissen geld an meine Projekte wa- gen wird? und dieses ist denn doch die hauptsache, ich möchte manchmal beynahe wünschen, daß sie mit einem mahle hinter meine Autorschaft, das Buch sollte meiner Berechnung nach nun bald erscheinen, obwol ich noch immer nichts darüber weiß, kommen möge, das würde wenigstens eine ehre absetzen, und ich würde entweder zum tempel hinaus gejagt, oder man würde es erkennen, daß ich, obwohl noch nicht von Alter grau, es doch ver- diene, mit Aufmerksamkeit behandelt zu werden. die constellationen in un- seren obersten regionen sind gerade jetzt in einer krisis begriffen, die grä- fin kolowrat wird nun wohl schon todt seyn, und somit der graf fürs erste von den geschäften abtreten und sie ad interim an graf hartig übergeben. August lobkowitz, auf den ich am meisten rechne, war sehr krank, ist jetzt aber auf dem Wege der Besserung, und lerchenfeld soll als Bundestagsge- sandter nach frankfurt kommen.1 ob mir alle diese konjunkturen schädlich oder vortheilhaft seyn werden, kann ich kaum recht wissen. mittlerweilen studire und praeparire ich mich so gut ich kann, schreibe Briefe in alle Weltgegenden und bereite mich, so gut als dieses so im voraus möglich ist, vor, in Wien auf eine Art aufzutreten, welche bey denen, von welchen die realisirung meiner Projekte abhängt, vertrauen in den ernst und die gründlichkeit meiner ideen erwecken könne. dabey kommen mir dann noch eine menge anderer dinge dazwischen, welche mich beschäftigen, die Bestellung meiner finanziellen verhältnisse vor Allem, und diese sind eben nicht erfreulicher Art. kurz ich bin ein geplagter mensch. 1 maria rosa, die gattin des staatskanzlers graf franz kolowrat, starb am 16.3.1842, am tag darauf starb fürst August longin lobkowitz, der Präsident der hofkammer für münz- und Bergwesen. frh. maximilian v. lerchenfeld, bayerischer gesandter in Wien, wurde tatsächlich wieder zum Bundestagsgesandten seines landes in frankfurt ernannt, ein Pos- ten, den er bereits von 1826–1833 inne hatte.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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