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März 1842
Worte gab, war ich schon in allem Anfange, noch ehe ich zu hartig ging,
gewesen. von meinen reiseplänen sprach ich dem erzherzoge trotz hartigs
meinung nicht, weil ich damit warten will, bis ich ihm etwas Bestimmteres
darüber sagen kann.
Was ich in dieser Beziehung seither, d.i. seit meinem letzten, gethan habe,
ist folgendes: ich habe an öttl geschrieben, der mir bereits manche mate-
rialien hinsichtlich der triester handelsbeziehungen zu Amerika geliefert
hatte, ihm offen meine An- und Absichten mitgetheilt und ihn beauftragt,
den grafen stadion zu fragen, ob er gesonnen wäre, über ein förmliches An-
erbiethen von meiner seite einen vortrag hieher zu machen und anzutragen,
daß man von meiner reise nutzen ziehe und mir die gewünschten Aufräge
ertheile. Auch habe ich es so eingeleitet, daß er es der direktion des öster-
reichischen lloyd auf geeignete Art eintrichtern möge, daß eine vorstellung,
gleichsam motu proprio von ihr oder sonst einer Anzahl achtbarer kaufleute
ausgehend, worin auf die Zweckmäßigkeit hingewiesen würde, regelmäßige
handelsverbindungen mit jenen ländern im Wege der regierung anzuknüp-
fen, gerade jetzt von gutem erfolge begleitet seyn dürfte, natürlich, ohne daß
in einer solchen vorstellung von mir irgend eine rede wäre. endlich habe ich
mich mit einem hiesigen financier, Weikersheim, der zufällig auch Agent
des lloyd ist, in verbindung gesetzt, der vor mehreren Jahren ein ähnliches
Projekt, nämlich zur Bildung einer österreichisch-amerikanischen handels-
gesellschaft, formirte, das aber dann mit sovielen ähnlichen in dem gouffre
der Bureaukratie seinen untergang fand. dieser gab mir eine damals von
ihm verfaßte Brochure und meint, der moment sey jetzt günstiger als je, in-
dem kübeck für dergleichen dinge ausnehmend empfänglich sey. Zu ihm
will ich denn gehen.
sonst habe ich wohl noch eine menge andere gedanken und entwürfe, die
sich in meinem kopfe kreuzen, über die Art, wie ich zu dem Ziele gelangen
soll, welches ich unerschütterlich verfolge. vor Allem muß ich zusehen, beym
fürsten metternich ein geneigtes ohr zu finden, und bey dem unglücklichen
vorurtheile, das er wenigstens sonst gegen mich hatte, suche ich nach einem
fürsprecher bey ihm, der ihn darauf vorbereite und für meine Projekte gün-
stig stimme, deßhalb mache ich vorläufig tettenborn, der sehr gut mit ihm
ist, den hof, und liire mich soviel möglich mit ihm, überhaupt tâtonnire ich
bisher, bis ich sehe, ob die Bombe platzt, welche ich nach triest geworfen
habe.
die gesellschaft finde ich übrigens, soviel ich bis nun urtheilen kann, so
ziemlich wieder, wie ich sie verlassen habe, langweilig, monoton und in Al-
lem zurück, ausgenommen im luxus und in der Art, sich das leben künst-
lich recht unangenehm zu machen, als wäre dieses nothwendig. letzthin ließ
mich natalie Palfy zu sich bitten, um sich von florenz erzählen zu lassen,
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien