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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher272 derselben und von meiner eigenen reiflichen überlegung überzeugte. Aber ich gestehe es, daß ich ziemlich découragirt von ihm wegging, so ganz ohne stütze, ohne eine Aufmunterung, wenn auch nur in Wort und meinung, wie sollte ich das Alles durchsetzen? da ging ich zum vicepraesidenten der hofkammer grafen szecsen, einem alten Bekannten von mir und einem aufgeklärten staatsmanne von höhern als bloß bureaukratischen Ansichten, wie dieses überhaupt leider bei den ungarn viel häufiger ist, als bey uns, da fand ich denn wenigstens beyfälli- ges gehör und anerkennende Aufmunterung, doch ist seine stellung nicht von der Art, mir direkte behülflich seyn zu können, jedoch rechne ich auf sein fürwort bey kübeck und fürst metternich. heute endlich hatte ich eine unterredung mit Baron kübeck, nachdem ein paar tage verstrichen waren, ehe ich diese erhalten konnte. er schien mir ein aufgeklärter, gutmüthiger, schlichter mann, meine ideen schienen ihm ganz besonders zu behagen, er lobte sie und meine Absichten und for- derte mich auf, ihm ein mémoire in diesem sinne zu übergeben, worauf er mir denn sämmtliche in den Amtsarchiven enthaltenen materialien mit- theilen und mich mit leuten in verbindung setzen würde, die mir noch wei- tere Aufschlüsse in der Art, wie ich sie brauchte und wünschte, ertheilen könnten. er selbst, sagte er mir, würde mir dann sagen lassen, wann er wie- der mit mir sprechen würde. kurz, das resultat dieser ersten unterredung konnte nicht erwünschter seyn. Wer war froher, war vergnügter als ich! endlich Anklang für meine ideen zu finden, welche sich bisher immer von allen seiten verfolgt, sich gleichsam ihrer selbst zu schämen anfingen, und zwar Anklang gerade dort, von wo eine realisirung derselben vorzugsweise abhängt, also ein hoffnungsstrahl selbst für nicht-sanguinische. gott helfe mir weiter. ich werde mich nun über das mémoire machen und es sobald als möglich einreichen. im übrigen sind meine sonstigen geschäfte seit meiner letzten nicht viel vorgerückt, mein Projekt, Papariano ausspielen zu lassen, scheint nicht aus- führbar zu seyn,1 ich habe bereits deßhalb mit mehreren sachkundigen ge- sprochen, welche Alle es mir widerrathen. sonst ist mein tag nebst jenen ernsteren schritten und démarchen so sehr durch visiten, diners, soirées, etc. in Anspruch genommen, daß ich oft kaum weiß, wo mir der kopf steht. doch würde man sich sehr irren, Wien deßwegen für amusant zu halten, im gegentheile gibt es nichts langweili- geres und insipideres als die hiesige Welt mit ihrem totalen mangel an aller 1 Andrian versuchte zur Linderung seiner finanziellen Probleme seine Anteile am Familien- gut Papariano in der grafschaft görz zu verkaufen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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