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Tagebücher278
gut, denn über meine fähigkeiten enthalten, soviel ich weiß, alle jene Be-
richte nur gutes, und wenn sie auch hinsichtlich meiner verwendung min-
der günstig seyn sollten, so verschlägt das im gegenwärtigen falle nichts. er
sagte mir zugleich, daß ich morgen oder übermorgen von kübeck eine ämt-
liche mittheilung über mein mémoire erhalten würde, was wird nun diese
enthalten? ich hoffe doch gutes, wiewohl ich nicht einsehe, warum es dazu
einer schriftlichen mittheilung bedarf, jetzt, da die sachen erst im Beginnen
sind. Auf jeden fall sagte ich geringer gleich, daß ich inzwischen mit fürst
metternich gesprochen und ihn durch Andere habe sprechen lassen, daß ich
auch da die beste Aufnahme gefunden hätte und nun Baron kübeck bitten
wolle, auch seinerseits mit dem fürsten darüber zu sprechen. Jedenfalls
sieht kübeck daraus, denn geringer versprach mir, ihm dieses mitzuthei-
len, daß ich auch anderwärts Anklang finde, und dieß kann eine ungünstige
Antwort hintertreiben, eine günstige aber nur befördern. Was ich geringer
sagte, war übrigens auch wahr, nach langem hin- und hersinnen, um ein
passendes organ zu finden, welches fürst metternich von meinen Plänen
praeveniren könnte, ehe ich selbst ihm darüber spräche, verfiel ich auf Bom-
belles und ging vorgestern früh zu ihm. er ging ganz auf meine ideen ein,
versprach, dem fürsten davon zu reden, und meinte, dieser sey überhaupt
sehr für dergleichen dinge disponirt und würde daher ohne Zweifel an mei-
nen vorschlägen gefallen finden, und ihm glaube ich, denn er ist kein Phra-
seur.
und so entwickelt und vereinfacht sich denn allmälig der knäuel, wel-
cher, als ich hier ankam, so verworren schien. kübeck und fürst metternich,
das sind nun meine zwey pivots, um die sich meine Bemühungen drehen,
von jenem kommerzielle, von diesem vielleicht politische Aufträge und wo
möglich einen diplomatischen charakter zu erhalten, dieß sind die end-
punkte meiner Bestrebungen. ist dieses erwirkt, so wird eine geldunterstüt-
zung von der staatskanzley, wie sie ja auch friedrichsthal hatte, vielleicht
auch von der hofkammer und dem lloyd und wohl auch durch erzherzog
Johanns fürwort, nicht so schwer zu erlangen seyn. den urlaub suche ich,
sobald ich nur halbwegs etwas Bestimmteres weiß, im gewöhnlichen bureau-
kratischen Wege an, und während sich diese verhandlungen sowie auch die
Abfassung meiner instruktionen, wozu wohl noch frühere rückfragen nöthig
seyn werden, hinziehen, warte ich in mailand ihr resultat ab, sobald ich nur
darüber im reinen bin, daß ich Aufträge bekomme, das Wie und Was brau-
che ich hier nicht abzuwarten, und so hoffe ich doch, ende may zu hause zu
seyn.
ich kann nicht sagen, daß ich jetzt in Wien müßig war, alle ressourcen,
die mir zu gebothe standen, habe ich in Bewegung gesetzt, nebst den be-
reits erwähnten schritten in triest durch öttl (von dem ich übrigens unbe-
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien