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April 1842
greiflicher Weise noch immer keine Antwort habe) und Weikersheim, der
nächstens selbst dahin abgeht, um von dort aus bey graf stadion und dem
dortigen handelsstande eine theilnahme an meinen Projekten zu erwirken,
nebst meinen démarchen durch und bey kübeck, szécsén und Bombelles
habe ich meinen alten udineser kameraden dilgskron bey der staatskanz-
ley dazu benützt, daß ich hoffe, friedrichsthals Papiere in die hände zu be-
kommen, um sie zu durchsehen und wo möglich zu ordnen, dann habe ich
mir durch meinen Banquier cohn sowie auch durch meinen reisegefährten
in dalmatien, Baron friesenhof, alle möglichen Aufschlüsse und erkundi-
gungen verschafft und erwarte davon zum theile noch, deren ich bedurfte,
ich habe alle litterärischen hülfsquellen des clubs und andere exploitirt,
endlich habe ich nicht nur den erzherzog Johann, sondern auch den hierin
sehr einflußreichen hofrath esch, meinen alten Bekannten, in der Art pre-
parirt, daß ich nun en cas de besoin ohne Anstand mit ihnen das Weitere be-
sprechen kann, ich habe das terrain überhaupt sondirt und ziemlich genau
kennen gelernt, möge Alles dieses nicht umsonst gewesen seyn!
sonst wenig Besonderes, wir sind vom Winter auf einmal in den som-
mer gerathen. von clotilde weiß ich nichts, als daß mir gräfin orloff ge-
stern als Antwort auf meine empfehlung der gräfin natalie Palffy schrieb,
sie sey sehr leidend. mai je n’y comprends rien. tendler schrieb mir neulich,
er wisse noch nichts Bestimmtes von campe. das wird impatientant. meine
geldangelegenheit rückt nicht von der stelle, in görz sind sie Alle des teu-
fels, und ich möchte es werden, mit der Ausspielung von Papariano ist es
nichts, denn es werden unbedingt keine Befugnisse mehr ertheilt, wegen
des Werburger lehens sieht es ebenfalls schlecht aus, denn es scheint so
unbedeutend, daß es kaum mehr der mühe lohnt, schritte zu thun.1 ler-
chenfelds gehen am mittwoche den 27. weg, letzthin besuchte ich auf dem
theater der leopoldstadt meine alte flamme aus münchen und grätz, ida
legesitt, die noch recht gut aussieht und mir ein rendezvous gab, welches
ich aber noch nicht einhalten konnte, etc.
[Wien] 26. April Abends
meine leisen Befürchtungen sind eingetroffen. heute kam die versprochene
mittheilung von kübeck, sie war ganz kurz und besagte: durch die rela-
tionen neuerlicher reisender so wie durch die laufenden consulats- und
gesandtschaftsberichte sey die regierung hinlänglich über jene gegenden
1 Zur Verbesserung seiner finanziellen Lage versuchte Andrian, seine Anteile am Famili-
engut Papariano zu verkaufen. Außerdem bemühte er sich wie sein vater, wenn auch nur
halbherzig, um den angeblichen stammsitz der familie, schloss Werburg (Wehrburg) in
tisens bei meran (tirol).
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien