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Tagebücher288
bis jetzt bekannt sey. ich entgegnete, ich sey weit entfernt, eine förmliche
mission zu verlangen, Alles was ich wünschte, sey in eine lage versetzt zu
werden, die mich der regierung gegenüber in evidenz stelle und mich gewis-
sermaßen autorisire, ihr von und während meiner reise Bericht zu erstatten
und mit ihr zu korrespondiren. und mit diesen Pourparlers gingen wir aus-
einander.
Was ich nun beabsichtige, ist, den fürsten noch einmal wo möglich zu
sprechen und ihn bey dieser gelegenheit, wenn mir der Augenblick günstig
scheinen sollte, zu bitten, er möchte mich als courier nach Berlin schicken,
um dort mit humboldt zu konferiren, nebst der vortheile der sache selbst
hätte ich dabey noch den andern, daß der fürst sich auf diese Art gegen
mich gewissermaßen verpflichten würde, es wäre gleichsam ein unterpfand
weiterer unterstützung.
erzherzog Johann ist schon seit 14 tagen in steyermark und kömmt erst
im herbst zurück, da ist also nichts zu machen. graf stadion geht wirklich
auf urlaub, also ist es auch mit meiner reise über triest wenigstens für
dießmal nichts. dagegen schrieb mir Weikersheim diese tage, er habe in
triest in meinem sinne gesprochen, und soeben sey ein Bericht der Börse-
deputation an die hofkammer, ans gubernium abgegangen, welcher auf An-
knüpfung von handelsverbindungen mit mittel- und südamerika dringe. ich
habe dann gleich an öttl geschrieben, eine lange salbungsvolle epistel. Wir
wollen sehen, ob das anschlägt.
Bey kübeck war ich gestern wieder, empfahl ihm nochmals mein unter-
nehmen, das ich nun eingeleitet und mich der Beyhülfe fürst metternichs,
graf Bombelles’ etc. versichert habe, und nun bald nach mailand zurück-
kehren würde, um dort den endlichen erfolg meiner schritte abzuwarten.
er war wieder äußerst gnädig, sagte mir eine menge schöner sachen, ver-
sprach mir, dem fürsten bey gelegenheit von der nützlichkeit meiner reise
zu sprechen, von welcher er ganz vollkommen überzeugt sey, wenn er auch
gegenwärtig keine besondere Punkte meiner Beobachtung anzuempfehlen
wisse. übrigens würde er aber meine Berichte, Beobachtungen etc. mit dank
annehmen, und ich würde dafür auch gewiß, falls sie entsprechen sollten,
nicht nur Anerkennung, sondern auch Belohnung ernten. seiner Zeit, so
sagte er mir, sollte ich ihm wieder schreiben, und er würde dann, ehe ich
meine reise wirklich antrete, das Weitere mit mir verhandeln.
meine reiseprojekte fangen an sich hier zu ébruitiren, letzthin wurde bey
hofe, ja sogar am tische des kaisers mit flore darüber gesprochen, d.h. un-
ter den hofdamen und herrn, und heute sagte mir caroline schaffgotsche,
graf sedlnitzky habe ihr davon erzählt, er weiß es wohl durch metternich,
und hinzugesetzt, er begreife nicht, wie heutzutage alle jungen leute rei-
sen wollten und noch dazu oben drein unterstützung fänden, z.B, setzte er
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien