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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher292 dieses, so ginge Alles viel leichter, so aber müßte ich, wenn alle stricke rei- ßen, mir erst diese zu verschaffen suchen. und mein Buch, das wahrschein- lich eben jetzt in hamburg mit campe’s verlag abgebrannt ist! so gesellt sich zu dem großen nationalunglücke mein eigenes. ich war bisher unschlüssig, ob ich, noch ehe ich abreise, mit graf ko- lowrat von meinen Projekten sprechen sollte, theils aber schien graf hartig es mir letzthin zu widerrathen, theils fand ich es selbst jetzt für überflüssig. erzherzogin sophie ist vorgestern mit einem Prinzen entbunden worden, der gestern getauft wurde, ich wohnte aber dieser ceremonie nicht bey. letzthin hatten wir ein schönes schauspiel: ein Bataillon grenadiere ka- men auf der eisenbahn von Brünn, eine menge menschen dort, der kaiser auch, und ebenso auch ich mit damen, vortrefflich placirt.1 heute war ich mit Josephine Wallis, flore und carl reischach per eisen- bahn in gloggnitz, und von da in dem herrlichen thale reichenau, wo wir aßen, spatzieren gingen etc. um 1/2 10 Abends waren wir wieder hier, eine ganz charmante Parthie.2 ich ging noch den Abend zu metternich, wo zwey kleine stücke gegeben wurden, es waren ziemlich viel leute da. [Wien] 20. mai Abends übermorgen früh 10 uhr reise ich mit Arthur Pallavicini von hier ab, gehe nach münchen, fahre von da gleich über Augsburg nach stuttgart, wo ich mit cotta sprechen will, um zu sehen, ob sich mit ihm irgend ein Arrange- ment treffen läßt, welches mir in pecuniärer hinsicht bey meiner reise von nutzen seyn könnte, komme dann sogleich nach münchen zurück, wo mich Pallavicini erwartet, und will am 31. in mailand zurück seyn. vorgestern hatte ich eine lange unterredung mit hocheder, der im dien- ste einer englischen Bergbaucompagnie beynahe 12 Jahre lang in Brasilien lebte, ein sehr gebildeter gescheidter mann, wir berechneten mit einander die kosten meiner projektirten reise, worüber er sehr genaue daten zu geben im stande ist, und brachten heraus, daß ein ungefähr dritthalbjähriger Auf- enthalt in nord-, mittel- und südamerika nebst den Antillen Alles in Allem, sehr generös berechnet, höchstens 12.000 fl cm kosten würde, d.h. von dem Augenblicke da ich europa verlasse, bis zu dem da ich es wieder betrete. das wäre dann nicht viel, und das gibt mir wieder neuen muth. heute sprach ich ihn wieder, er sagte mir, der kustos des naturaliencabinets, natterer, welcher durch 17 Jahre in zoologischen forschungen südamerika bereiste, brenne vor 1 es handelte sich um den ersten großen truppentransport (850 mann) per Bahn von Brünn nach Wien. 2 die Bahn Wien-gloggnitz war am 5.5.1842 feierlich eröffnet worden, nachdem die teilstre- cke von Wien bis Wiener neustadt bereits seit Juni 1841 in Betrieb war.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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