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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 294 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher294 besuchte ich gräfin reviczky, die gestern von florenz kam. sie erzählte mir viel cancans von dort, und so auch von clotilden, die nun von Brockhausen unzertrennlich sey, und während er krank lag, an alle ihre Bekannten in der stadt geschrieben habe, sie möchten für seine genesung bethen. Wie kömmt es doch, daß dieser rausch bey mir so schnell verflogen ist? es hatte auf mich nicht die geringste Wirkung, als die reviczky mir dieß erzählte, und doch, wer war verliebter als ich noch vor drey monathen? Wäre ich nicht in der cur, so hätte ich mir hier schon längst eine andere flamme ausgesucht, aber so heißt es abstinence forcée, und es kömmt mir sauer genug an. All- mählig reiset Alles ab, besonders die vielen Prager, die in großer Anzahl hier waren, darunter viele ehemals gute Bekannte von mir: kinsky, czernin, Au- ersperg, Puteani, nostitz, sternberg, schlik, lützow etc., die salons schlie- ßen sich ebenso. [Wien] 21. mai Abends heute frühstückte ich bey tante hadik und sprach ihr da zum ersten mahle von meinen Projekten, da ich die möglichkeit voraussehe, sie sowohl bey graf kolowrat, dessen nichte sie ist, als sonst benützen zu können und sie daher mündlich vorbereiten wollte, sie nahm meine mittheilungen sehr theil nehmend auf und versprach mir, falls ich sie brauchen würde, ihre volle mitwirkung. c’est toujours autant de gagné, und daß sie ihr möglichstes thun wird, weiß ich. dann machte ich eine unzahl visiten, alle mit rücksicht auf jenen gegen- stand: bey szécsen, bey caroline schafgotsche, welche mit Baron ranson- net, dem sekretär graf fiquelmonts sehr liirt ist, der, leider ohne mich zu kennen, an der sache großen Antheil nimmt, bey geringer, welcher mir be- stätigte, daß die gedachte vorstellung der triester Börsedeputation von der hofkammer bereits ans cabinet des kaisers und zugleich an fürst metter- nich weiter gegeben worden sey, und daß dieser umstand meinen Wünschen förderlich sein dürfte, bey ottenfels, mit dem ich sehr lange und angelegent- lich sprach, bey hügel, dilgskron etc. überall knüpfte ich die verbindungen und correspondenzen an, die mir als dienlich erschienen, um die sache in meiner Abwesenheit nicht einschlafen zu lassen. ebenso ertheilte ich floren die nöthigen instruktionen. ich hatte auch mit Procop lazanzky darüber re- den wollen, der bey der hofkammer eine stellung hat, die mir sehr nützlich seyn könnte, doch schien er mir zu wenig für derley dinge empfänglich, als daß ich ihm davon hätte reden wollen, übrigens bin ich so gut mit ihm, daß ich ihm im nothfalle auch ex abrupto darüber schreiben und seines Beystan- des versichert seyn kann. nach einem diner bey der alten Pallavicini mit einer heerde Zichys und szechenys fuhr ich leider zum letzten mahle mit flore und Josephine Wallis
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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