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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher298 sen wünschte, war, ob cotta überhaupt auf meine Anträge eingehen wolle, und welche Bedingungen er mir ungefähr stellen würde. um 1/2 10 uhr in Augsburg angekommen, wo ich im grünen hofe abstieg, frühstückte ich daselbst, las die vielen bayerischen Zeitungen, freute mich über die hier im vergleiche zu oesterreich große und heilsame Publicitaet und ging nach 11 uhr in die redaktion der allgemeinen Zeitung zu dr. kolb, dem haupt-redacteur, ich fand ihn ganz so, wie ich mir ihn gedacht und ei- nen treuen Ausdruck seines Blattes: äußerlich kalt und zurückhaltend, aber voll gluth und überzeugung für seine sache, voll wahrer, inniger liebe für deutschland, für die menschheit und einen fortschritt zum Bessern wenn auch nicht kopfüber, doch schneller als ihn leider unser deutschland geht, dabey eine Art von stiller trauer über sein ganzes Wesen ausgegossen und nicht ohne eine kleine Zugabe stiller schwärmerey, kurz ganz so wie ich mir Arndt, görres und ihre genossen in den Jahren 1812–14 vorstelle, im Äußerlichen gefällig, aber ernst und wortkarg, ein mann anscheinend von 35–36 Jahren. ich sagte ihm, was mich zu ihm führe, wie ich die Absicht hätte, mittel- und südamerika zu besuchen und wahrscheinlich von meiner regierung Aufträge von commercieller natur erhalten würde, und wie ich nebstbey geneigt wäre, während meiner reise Berichte und Artikel an cotta einzusenden, wenn sich hierüber ein Arrangement treffen ließe. er versi- cherte mich sogleich, mit Ausnahme der vereinigten staaten, wo sie bereits zwey gute correspondenten hätten, sey dieser Antrag cotta sehr erwünscht, und er könne mir in dessen nahmen ein honorar von mindestens 8 louisd’or per Bogen zusichern, ich hätte vorgezogen, ein fixes Jahresgeld zu erhalten, um im voraus darauf rechnen zu können, das aber, sagte kolb, liege nicht in cotta’s gewohnheiten, übrigens wären diese finanziellen näheren Arrange- ments ebensogut brieflich zu ordnen, und man würde mir gewiß so bereitwil- lig als möglich entgegenkommen. Wir sprachen dann noch sehr lange, beynahe anderthalb stunden, von po- litischen gegenständen, von der lage deutschlands und oesterreichs, von redactionsverhältnissen etc., er sagte mir, seit einigen Jahren habe die Abon- nentenzahl in oesterreich abgenommen, worüber er froh sey, um nicht gar zu abhängig von oesterreich zu werden, übrigens ist er oesterreich durch- aus nicht abgeneigt und scheint als süddeutscher mehr sympathie dafür zu empfinden, als für das abstoßende und, wie er sagte, prahlerische Preußen, er rühmte die humane Weise der österreichischen staatsmänner, die er vor 2 Jahren in Wien kennen gelernt habe, und bedauerte sehr, daß oesterreich durch die im Auslande verbreitete, und auch seiner meinung nach übertrie- bene, furcht vor seiner Polizey und strenge die hegemonie über deutschland aus den händen gegeben habe. er fragte dann über verschiedene Personal- und sachverhältnisse, über fürst metternich, seine umgebung, kübeck, die
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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