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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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29926. Mai 1842 neuesten materiellen reformen in oesterreich etc., worüber ich ihm offenen Aufschluß gab, als es dabey nichts verfängliches gab, und zugleich ihn auf die untauglichkeit seines Wiener correspondenten aufmerksam machte, worin er mit mir einstimmte und auf meine Bemerkung viel gewicht zu legen schien. er fragte mich, ob ich schon etwas hätte drucken lassen, was ich ver- neinte, und ob ich ihm nicht in mailand einen correspondenten verschaffen könnte, ich versprach ihm, daran zu denken, und daß ich selbst ihm vielleicht fürs erste einige Artikel einsenden würde. dann sprachen wir über ungarn und die dortigen Bemühungen des magyarismus, den slavismus zu unter- drücken, worüber er sehr unterrichtet schien, über mailändische verhält- nisse etc. endlich schieden wir wie ein Paar alte Bekannte, und er versprach mir, mich um 3 uhr im gasthofe zu besuchen. da er mich wiederholt versichert hatte, eine weitere rücksprache mit cotta sey durchaus nicht nöthig, und ich ohnehin wußte, daß cotta selbst sehr wenig thut und seine rechte hand roth abwesend ist, so gab ich meine fahrt nach stuttgart mit vergnügen auf und beschloß, Abends 7 uhr mit der eisenbahn nach münchen zurück zu kehren. ich that dieses nebst einer ge- rechten scheu vor den fatigues einer so eiligen hin- und herreise besonders deßhalb sehr gerne, weil ich voraussah, daß meine Anwesenheit in stuttgart nicht verborgen bleiben könne, da ich sowohl mit graf Buol als ganz beson- ders mit franz lützow bekannt bin, und durch diese hätte man es wieder in Wien erfahren. von meinem neuen freunde kolb weg ging ich zu meiner cousine louise, vermählter regierungsräthin von hornberg, ich fand sie mit ihrer schwester malchen und ihrem manne, einem gutmüthigen geschäftigen, eiteln männ- lein. Alle hatten eine große freude über mich, und ich mußte mit malchen zu ihrer schwester clementine durich,1 ebenfalls einer tochter onkel fer- dinands, da lernte ich dann ihn und sie kennen. Beyde so spießbürgerlich als nur möglich, ich war froh, wie ich draußen war, doch schienen es mir achtungswerthe und zufriedene leute. dann mußte ich mit hornberg bey der table d’hôte in der traube essen, wo wir auch den major von hailbronner (verfasser der cartons etc.)2 treffen sollten, doch war er leider gebethen und konnte daher nicht kommen. nach dem essen gingen wir wieder zu lou- ise, wo die ganze sippschaft beysammen war, mich zu sehen. dort tranken wir unsern caffeh, und dann empfahl ich mich, denn um den rest meiner Zeit frey zu behalten, sagte ich ihnen, ich würde schon mit dem train von 1 laut den einschlägigen Adelslexika war clementine Andrian-Werburg mit einem bayeri- schen oberstabsarzt dürig verheiratet. 2 karl hailbronner, cartons aus der reisemappe eines deutschen touristen. 3 Bde. (stutt- gart 1837).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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