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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher330 zu begegnen, und wüßte auch jetzt keinen besondern Werth mehr darauf zu legen. dieses sind die gedanken, die jener Brief in mir erregte, der ge- genstand und eigentliche Zweck desselben ließ mich kalt, denn über diesen Punkt bin ich entweder schon hinaus oder noch nicht dabey angelangt. [mailand] 14. oktober seit ich nun hier in mailand sitze und nicht weg kann, ist es das schönste Wetter von der Welt, mitunter sogar noch recht warm, was hätte ich vor drey Wochen um 10 solche tage gegeben. Aber so kann ich davon nicht profitiren oder doch höchstens auf Stunden, so fuhr ich z.B. neulich mit gabrielle von monza aus nach gernetto, dem landsitze des grafen melle- rio, am eingange der Brianza, in einer sehr schönen gegend. diese tage wollte ich zu carcano nach Agliate gehen, kam aber nicht dazu, da ich nun theils durch vorübergehende erkrankungen, theils durch die Abwesenheit der übrigen, die leitung der delegation über mich habe, doch hoffentlich nur auf wenige tage. meine sonstigen Projekte für die noch übrige Zeit des Herbstes reduciren sich auf einen Ausflug nach Inzago, wo man mich zu zwey casino Bällen, die dort gegeben werden sollen, eingeladen hat, und vielleicht auf eine visite von einem oder zwey tagen bey carpani in crippa. das große lager bey castiglione ist zu ende, die manœuvers vom 3. bis 7. sollen sehr gut ausgefallen seyn, besonders brillant aber war die Parade am 7., gegen 26.000 mann, und nicht weniger als 7 erzherzoge, darunter franz carl, ich wäre sehr gerne dahin gefahren, wozu ich auch vielfältig eingeladen worden war. Anfangs hoffte ich, daß mich der gouverneur mit- nehmen würde, dann suchte ich einen Reisegesellschafter zu finden, fand aber keinen, und somit, und weil ich auch sonst nicht recht wußte, wie ich dort Alles finden würde, unterließ ich es, jedoch zu meinem großen Bedau- ern, welches nun, da ich die relationen der mittlerweile zurückgekehrten militairs vernommen habe, um nichts geringer geworden ist, überhaupt sollte man, ohne erst viel nachzudenken, ob es auch die mühe lohne, soviel als möglich unternehmen, hat man sich dann dabey auch mitunter ennu- yirt, so hat man doch eine erinnerung und ein Bild mehr für das gedächt- nis mitgebracht. es wird nun nach und nach lebhafter. Alles rückt vom lager wieder ein, und die liebenswürdige corps-de-garde-gesellschaft bey cova ist nun so ziemlich wieder beysammen. Außer dem aber Alles todt und stille, denn die mailänder sind noch Alle auf dem lande, fremde, d.i. durchreisende, die menge, aber wenig oder gar keine von meinen Bekannten darunter. Beynahe alle meine Abende bringe ich bey den Berndis zu, welche nun seit einiger Zeit beyde unwohl sind und an halsschmerzen leiden, groß ist die unterhal- tung dabey auch nicht, obwohl elise ein sehr liebenswürdiges geschöpf ist,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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