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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 332 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher332 ganz kalt läßt, ja mehr als das, ich glaube, wenn es nicht schon geschrieben wäre, würde ich es auf keinen fall mehr schreiben. [mailand] 29. oktober es ist nun schon ganz Winter geworden, beyspiellos frühe hat sich in diesem Jahre die kälte eingestellt, und Alles heizt schon seit 8–10 tagen. dabey regnet es auch meistens, und so ist aus meinen zahlreichen Projekten, Aus- flüge und Besuche in der nachbarschaft zu machen, nichts geworden, und dürfte auch aller Wahrscheinlichkeit nach für dieses Jahr ganz unterblei- ben, wenn ich nicht noch für ein Paar tage nach crippa zur carpani gehen sollte, was auch vom Wetter abhängen wird. trotz dem sind die mailänder und mailänderinnen noch sämmtlich auf dem lande. der hof kommt in den ersten tagen november von monza herein, geht aber schon ende desselben monathes nach venedig, um dort bis mitte februar zu bleiben. im ganzen ist es also ziemlich langweilig hier, von Zeit zu Zeit ziehen Bekannte oder sonst interessante fremde hier durch nach süditalien, wel- ches diesen Winter sehr brillant werden dürfte. so in diesen tagen der her- zog von leuchtenberg sammt seiner gemahlinn, die fürstinn liegnitz, eben jetzt fürstinn Wilhelmine kinsky mit ihrer hübschen ältesten tochter etc., gräfin Polcastro aus venedig, hanscarl dietrichstein, wahrscheinlich einer der besten, gewiß aber der dümmste unserer Zeitgenossen etc. Berchtolds sind wieder hier, sie liebt noch immer noptsa, das schwarze ungethüm, und schimpft noch immer über dessen vorgänger tiesenhausen und ärgert sich, daß dieser sein kind nicht auf sich nehmen will, nachdem es durch 8 mo- nathe ungetauft geblieben war, weil ihr mann sich höchst dummer Weise weigerte, ihm seinen nahmen zu geben, ist es endlich Pierre tiesenhausen getauft worden, natürlich ohne die einwilligung des verfertigers, hat man jemals so etwas gehört? er Berchtold ist derselbe misérable und unbegreif- liche complaisant seiner frau wie sonst und geht spatzieren, um sie nicht zu stören. übrigens hat sie von lord hertford 80.000 Pfund geerbt, welche ihr, zum unterschiede von ihrer schwester Zichy, nicht streitig gemacht werden, und ist daher nun eine reiche frau.1 Julie samoyloff kommt näch- stens von Paris hier an, henry martini, ihr ex-liebhaber, bleibt aber den Winter dort, um, nachdem er sein Bischen vermögen durchgebracht, dort von dem ihrigen zu leben, denn trotz der stoischen gleichgültigkeit der ita- 1 nach den einschlägigen genealogien der familie Berchtold dürfte es sich bei dem erwähn- ten kind um den 1842 geborenen sohn stephan handeln, vgl. auch eintrag v. 27.12.1841. Zum testament des am 1.3.1842 verstorbenen francis seymour-conway marquis of hert- ford und die darin bedachten Schwestern Gräfin Charlotte Zichy und Gräfin Mathilde Berchtold, geb. strachan, siehe auch 27.3. und 10.7.1842. marquis hertford war vormund von mathilde strachan.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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