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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 337 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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33717. November 1842 sollen, und noch sieht und hört man nichts davon. sonst nicht viel neues. das Wetter ist wahrhaft infam, bis vor wenigen tagen eine grimmige kälte und sogar schon schnee, und nun ein unaufhörliches regenwetter und ne- bel wie in england, es ist nun ein Jahr, daß ich hier mit clotilde im leich- ten rocke und dem herrlichsten Wetter herum stieg, à propos, sie hat mir noch immer nicht geschrieben, sie muß sehr böse und ungehalten seyn, aber warum? das kann ich nicht begreifen. oder hätte sie vielleicht gar italien verlassen? rom und neapel werden dieß Jahr sehr belebt seyn, es zogen und ziehen eine menge fremde hier durch, auch viele oesterreicher. Julie sa- moyloff ist seit 6 tagen hier, von Paris kommend, wo sie henry martini auf das glänzendste etablirt hat, sie kam mit der Absicht, zwey monathe hier zu bleiben und dann wieder nach Paris zu gehen, gestern aber erhielt sie Briefe von martini, welcher bedenklich krank ist, und da will sie nun, wenn heute keine besseren nachrichten kommen, noch diesen Abend abreisen, mir wäre es sehr leid um sie, denn obwol sie ihres mannes wegen in tiefer trauer ist und daher nichts geben wird, so sind wir, ihre bessern Bekannten, doch alle Abende bey ihr, und das ist eine ganz angenehme ressource. trotz ih- res fortdauernden verhältnisses zu martini, welches sie übrigens nicht hin- derte, eigentlich ganz ohne ursache hierher zu kommen, ist sie doch hier auf dem besten Wege, sich einen surrogat- und interimsliebhaber in der Person langenau’s beyzulegen. eine andere komödie ist ihre förmliche Brouillerie mit mathilde Berchtold und daher mit ihrem Adorateur noptsa, welcher ei- gentlich an all dem schuld ist, übrigens bereitet sich hier ein anderer spaß- hafter roman vor, denn gestern ist niki szápáry hier angekommen, der ihr heuer in ischl die cour machte und nun ihretwegen da seyn soll. Wir wollen sehen, wie sie sich zwischen ihm und noptsa da heraus zieht. elise Berndis geht in 14 tagen nach turin, wo sie den fasching singen wird, und das ist ein wahrer godsend für mich, denn so gut sie mir auch ge- fällt, so wäre die sache doch den ganzen Winter über nicht zu souteniren, sie scheint sehr heftig in mich verliebt und ist wirklich außerordentlich hübsch und niedlich, ich sitze fast täglich ein paar stunden bey ihr, werde aber doch froh seyn, wenn das ein ende haben wird, ich bin nicht mehr für dergleichen dinge. der hof ist hier, und der erzherzog im Bette und hat das Podagra, doch hoffen sie, in 14 tagen nach venedig gehen zu können. von Wien schreibt man, daß graf sedlnitzky oberstkämmerer und graf münch, der Bundes- tagsgesandte, Polizey-Präsident werden soll.1 1 diese veränderungen fanden nicht statt, sowohl graf Josef sedlnitzky (Präsident der obersten Polizei- und Zensur-hofstelle) als auch graf Joachim münch-Bellinghausen (Bundespräsidialgesandter in frankfurt) blieben bis 1848 auf ihren Posten.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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