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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 346 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher346 dieses zusammen machte es mich in dieser letzten Zeit beynahe wünschen, daß die Publikation jener Blätter und mit ihr alle die Aufregungen meiner eitelkeit und die allenfallsigen weit wichtigeren wenn auch nicht wahr- scheinlichen, so doch möglichen folgen derselben unterbleiben mögen. und nun, da der Wurf geschehen und ein Zurücktreten nicht mehr möglich ist, empfinde ich eine ungetheilte Freude und Spannung wegen der Dinge, die da kommen sollen. Zweifel und Befürchtungen sind wie weggeblasen, und der alte störefried regt sich wieder. gut daß er nicht einschlief, gut daß es so kam. ruhe und Apathie sind der tod, so denke ich noch immer. die französischen Journale werden nicht müde, ihren geifer über es- partero und das Bombardement von Barcelona auszugießen, und lügen da- bey so unverschämt, daß man auf Augenblicke zuweilen selbst irre wird. ich muß gestehen, so sehr ich esparteros energische maßnahmen und das Bombardement billige, so hätte ich doch gewünscht, daß jetzt nach errun- genem siege keine so lange dauernde und doch vielleicht unwirksamere reaction eingetreten wäre, als die kriegesgerichte und executionen, wie sie uns jetzt berichtet werden. ich hätte gleich im momente des einzugs ein fürchterliches strafgericht gehalten, die nationalgarde dezimirt oder die freycorps zusammengeschossen, dann aber allgemeine Amnestie procla- mirt, solche wochenlange Belagerungszustände und martialgerichte hinge- gen erbittern nur und schrecken vielleicht weniger. Auch scheinen bis nun erst 18 menschen hingerichtet worden zu seyn. doch sollte man sich eigent- lich für jetzt, bey dem schwalle widersprechender Berichte, alles urtheils enthalten. indessen erheben die englischen Zeitungen und namentlich jetzt das morning chronicle die furchtbarsten Anklagen wider den französischen consul lesseps als Anstifter und Beschützer der insurrection, dagegen hat ihn seine Regierung, wohl höchst unkluger Weise, zum Officier der Ehren- legion ernannt. Anderseits schimpfen die französischen Journale auf den englischen Consul, weil er die Aufnahme der flüchtenden Aufrührer auf die englischen Schiffe verweigerte. Wer findet da die Wahrheit heraus? in serbien klären sich nach und nach die räthsel auf, und wieder ist oe- sterreich gefoppt und wieder durch rußland. nachdem dieses Anfangs die stattgehabte umwälzung zu billigen schien, hat nun auf einmahl herr v. Butenieff die Wiedereinsetzung der familie obrenowitsch und zwar unter Androhung seiner sogleichen Abreise begehrt, und Baron lieven, der in einer außerordentlichen sendung nach Belgrad gekommen war, um den stand der dinge zu untersuchen, ist nach kurzem Aufenthalte, wobey man leicht sehen konnte, daß die untersuchung schon vor seiner Ankunft be- endigt und der entschluß gefaßt war, wieder abgereist, ohne den neuen fürsten auch nur zu sehen. offenbar wollte rußland oesterreich abhalten, in dieser Angelegenheit die initiative zu nehmen, und erklärte sich daher
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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