Page - 350 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
Image of the Page - 350 -
Text of the Page - 350 -
Tagebücher350
betreffenden herren rücksprache nehmen, nun würde aber er, erzherzog
stephan, ihm neuerdings schreiben, denn er ist gerade jetzt bey seinem
vater in ofen, und mir seine Antwort mittheilen, übrigens sollte ich guter
hoffnung seyn, und das bin ich auch.
elise Berndis hat in turin sehr gefallen, sie schreibt mir ganz selig. das
freut mich sehr für die arme gute. vorgestern gab Jules litta im conserva-
torium eine von ihm, d.h. mit seinem gelde von Andern, denn er kann nicht
einmahl spielen, außer ein wenig auf der klappen-trompete, geschweige
denn den generalbaß, komponirte oper, die übrigens wirklich recht hübsch
seyn soll, daher großer lärmen und Applaus und gestern ein niederträch-
tig schmeichelnder Artikel im feuilleton der mailänder Zeitung. die fabel
vom goldenen esel.
[mailand] 19. Jänner
in der vorgestern hier angekommenen nummer der Allgemeinen Zeitung
vom 13. Jänner steht ein langer Artikel aus Wien über: „oesterreich und
dessen Zukunft“.1 schon einige tage vorher hatte diese Zeitung einen wie
es scheint offiziellen Artikel gebracht, worin die neue Organisation der
finanzwache besprochen wurde, woran dann eine Beleuchtung des öster-
reichischen steuerwesens und schließlich eine Bemerkung geknüpft war,
welche mir und noch mehreren Andern auf obige schrift gemünzt schien, es
hieß nämlich ungefähr: dieses mag zur Berichtigung der Ansichten dienen,
welche in manchen neuerlich erschienenen schriften über den ungünstigen
Zustand der österreichischen finanzen aufgestellt werden, und zwar nicht
bloß in verleumderischen schmähschriften, sondern auch in solchen, die in
wohlmeinender Absicht geschrieben, sonst viel Beherzigungswerthes ent-
halten.2
In dem längeren Artikel nun vom 13. (beyläufig sey es bemerkt, daß dieß
das erstemahl ist, daß ein Werk über oesterreich in der Allgemeinen Zeitung
beurtheilt und umsomehr ihm ein eigener langer Artikel gewidmet wird,
soviel für die schriftstellerische eitelkeit) wird vorerst erwähnt, daß die ge-
nannte schrift in Wien ein ungewöhnliches Aufsehen erregt habe, dann ein
1 Allgemeine Zeitung (Augsburg) v. 13.1.1843, Beilage 98–100. die mit Wien, Anfang Januar
datierte und mit W.W. gezeichnete rezension stammte von frh. franz v. dingelstedt. er
schreibt, der Autor stamme „der verbreiteten Annahme nach aus Böhmen.“ sie ist gedruckt
in rietra, Wirkungsgeschichte, 156–161.
2 Allgemeine Zeitung (Augsburg) v. 11.1.1843, 86f.: österreich. die neuerrichtete finanz-
wache. Als Begründung für die vielfach negativen urteile wird darin angeführt, „daß wo
andere regierungen oft zu viel sprechen die österreichische gar nicht spricht. die verleum-
dung wie die unzufriedenheit liegt eben so oft an der unkenntniß der thatsachen als an
dem üblen Willen.“
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien