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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher354 cattaneo hat in einer reihe von herrlichen Aufsätzen dessen vorzüge dar- gethan. unsere regierung, welche die enormitäten unserer strafanstalten [kennt], die nirgends so abscheulich sind als gerade in der lombardie, bey der erschreckenden Anzahl von verbrechern, möchte wohl, doch fehlt es ihr wie gewöhnlich an geld – ist das doch eine schande, dem armen und kleinen Piemont gegenüber. doch hat der Advocat saleri in Brescia den Auftrag bekommen darüber zu schreiben, und er hat sich bereits, was auch ämtlich durch meine hände kam, einen Wust von unpraktischen, unnüt- zen, und unmöglichen nachweisungen erbethen, so daß ich nicht viel von ihm erwarte. überhaupt ist die jetztige litterärische richtung oberitaliens eine ziem- lich beschränkte: vor Allem rationelle landwirthschaft, sodann positive Jurisprudenz und theologie, der romane und schlechten, mitunter auch gute gedichte nicht zu gedenken, Pönitentiarwesen, wie erwähnt. sociale Wissenschaften, fourierismus etc. wurden einen Augenblick durch corvaja und seine lucubrationen angeregt. verschwanden aber bald und konnten sich auch bey der hiesigen immer lächerlich strenger werdenden censur nicht erhalten. ein tagesgespräch bildet die verhaftung des gubernialraths gregoretti in venedig wegen ungeheuerer malversationen mit öffentlichen geldern aus der Zeit der großen Wasserschäden im Jahre 1839. man sagt, mit wie viel grund, ist nicht abzusehen, daß der dortige Baudirector und der dele- gat von Padua kompromittirt seyen. [mailand] 28. Jänner vor mehreren tagen theilte mir gabrielle, oder eigentlich Waldstein durch sie, stadions Antwort mit. er theilt vollkommen meine Ansicht von der Wichtigkeit des unternehmens, zu welchem ich mich erbothen habe, ebenso sagt er und scheint auch wirklich durch meine Briefe eine sehr günstige meinung von mir und meinen fähigkeiten gewonnen zu haben, daher er mich aus allen kräften unterstützen wolle, was jedoch seiner Ansicht nach wirksamer geschehen dürfte, wenn er über meine Anträge befragt würde, als wenn er sich unaufgefordert darüber äußerte. deshalb räth er mir, un- gesäumt nach Wien zu gehen, um den jetzigen für derley kommerzielle un- ternehmungen vorzüglich günstigen moment zu benützen, und ladet mich ein, meinen Weg über triest zu nehmen, indem er sich mit mir besprechen wolle. Auf jeden fall aber, meint er, sollte ich vor dem Antritte meiner reise eine rundreise durch Böhmen, mähren und oesterreich, als die hauptsitze sam arbeiteten, aber unter absolutem schweigegebot, und das Pennsylvanische isoliersys- tem, das die absolute einzelhaft bei tag und nacht vorsah.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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