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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher358 der preußische stamm und charakter ebensoviele Antipathien unter sei- nen deutschen Brüdern zu überwinden hat, als sympathien für den öster- reichischen sprechen, und weil man in Preußen einen Apostaten erblicken wird, und zwar mit vollem rechte. Armes deutschland! Wann wirst du zur einheit, wann zu wahrem fortschritte kommen! man möchte kaum eine Zeitung mehr lesen, denn eine jede nummer erfüllt einem die Brust mit Zorn. hier gibt es alle tage raub und mord, es ist wahrhaft erschreckend, wie die verbrechen alle tage zunehmen, und zwey meilen von hier, in Piemont, reist man ruhig bei tag und nacht, und so in Parma, toscana, ja sogar im päbstlichen. drey sind meiner Ansicht nach die ursachen dieser demüthi- genden erscheinung: unser gelindes, kraftloses verfahren des strafprozes- ses, der mangel an öffentlichkeit in der strafjustiz, wodurch die strafen ihren abschreckenden charakter verlieren, und endlich und hauptsächlich der elende Zustand unserer straf- oder eigentlicher demoralisations-An- stalten, wo 10–14jährige knaben wegen leichter vergehen mit vollendeten Bösewichtern zusammengesperrt werden und als solche herauskommen. dazu die tyrannische und doch ungenügende maßregel der precetti, wel- che nur dazu dient, ihre opfer auf den höchsten grad der erbitterung, des elendes und des verbrechens zu treiben. in Wien gab es diese tage einen scandal: louise Almásy hat langenau, dem Adjutanten fiquelmonts, auf der redoute öffentlich eine ohrfeige ge- geben, warum weiß ich noch nicht, jedoch war es eines Wortes oder einer rede wegen, notez daß sie nicht en masque war, doch muß es sehr derb gewesen seyn, denn meine gute louise effarouchirt sich eben nicht leicht, übrigens ist Langenau seiner suffisance und Causticité wegen immer unan- genehm gewesen. ich lese jetzt beynahe ausschließlich, was sich auf handel und statistik bezieht. nicht damit zufrieden, mich an die inländischen gewerbevereine gewendet zu haben, um von ihnen notizen über den Zustand der einhei- mischen industrie zu erlangen, habe ich noch alle die statistischen etc. Werke durchgegangen und durchblättert, von denen ich Aufschlüsse er- warten konnte, springers statistik, schmidls österreichischer kaiserstaat, macculloch’s dictionary etc.,1 freylich sind die materialien allenthalben dürftig. nebstdem lese ich auch vieles, was sich auf den handel und die ökonomischen Zustände anderer nationen bezieht, so z.B. jetzt klein- 1 Johann Springer, Statistik des österreichischen Kaiserstaates (Wien 1840); Adolph A. Schmidl, Das Kaiserthum Oesterreich. 2 Bde. (Stuttgart 1837–1843); John R. McCulloch, A dictionary, Practical, theoretical, and historical, of commerce and commercial naviga- tion. 8 Bde. (london 1832).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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