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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 364 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher364 stein schreiben ließ. Alles wohl überlegt, nahm ich daher einen ehrenvollen rückzug, indem ich mir eine kurze Bedenkzeit ausbath, und nach gepflo- gener rücksprache mit dem delegaten erklärte ich graf spaur heute, daß ich für jetzt von meiner reise abstehe, mir jedoch vorbehalte, sie, falls sie damals noch nothwendig seyn sollte, binnen 4–6 Wochen zu unternehmen, und damit schien er ganz zufrieden. man kann sich denken, daß nunmehr meine stimmung eben keine rosen- farbene war. mich ärgerte die grenzenlose Wichtigkeit, welche man auf die elende Beförderung legte, um die ich gebethen hatte, und das mißtrauen, welches aus dieser interims-entscheidung, nachdem diese nun seit andert- halb Jahren auf sich hatte warten lassen, hervorleuchtete. die Aussicht, nun abermals 7–8 monathe in den mir unerträglichen dienstverhältnissen bey der delegation bleiben zu müssen, während ich bestimmt gehofft hatte, bin- nen kurzem davon erlöst zu seyn, widerte mich an, die weitere Perspective, nunmehr, nachdem ich schon seit bald 9 monathen wie eine Auster stille sitze, abermahls soviele monathe auf jede idee eines urlaubs, einer erho- lungsreise (wie mir diese zum wahrhaften Bedürfnisse und wirklich zu ei- ner Art von Bildungsstufe geworden sind) verzichten zu müssen, wenn nicht binnen dieser frist eine günstige entscheidung wegen meiner reise erfolgen sollte, wozu es aber unter diesen umständen keinen Anschein hat, diese Per- spektive war mir um nichts erfreulicher. der delegat, welcher immer unan- genehm, häßlich und doppelzüngig (wie ich auch an mir erfahren) gewesen, scheint in dieser Allerhöchsten entschließung und in dem, was ihm graf spaur darüber sagte, eine Art von vorwurf für die mir ertheilten günstigen Zeugnisse zu erblicken. mehr aber als dieses Alles quälte mich der Zweifel, ob nicht vielleicht in meiner reise nach triest der letzte rettungsanker für das gelingen meiner Pläne gelegen, und ich mich daher durch das Aufgeben oder verschieben derselben freywillig dessen beraubt hätte. kommt Zeit, kommt rath, jetzt sind meine ideen noch einigermaßen verworren, aber bald werde ich klarer sehen und den Weg erblicken, den ich unter diesen umständen einzuschlagen habe. schon jetzt scheinen mir diese letzteren Befürchtungen übertrieben, und ich halte es für nicht unmög- lich, in 5–6 Wochen durch einen kurzen Besuch in triest das allenfalls ver- säumte aufzuholen. Wer kann in die Zukunft blicken und genau bestimmen, was einem zuträglich sey, was nicht? doch hatte ich gleich im Anfange einen moment, wo ich mit mir ernstlich zu rathe gehen wollte, ob es nicht das Beste seyn würde, den dienst ganz zu verlassen? und wirklich sagte ich mir, und sage es mir noch, daß ich in der gewöhnlichen dienstescarrière keine glänzende Bestimmung zu erwarten habe. ich werde es nun und nimmermehr dahin bringen (und gott verhüte, daß ich es jemahls wünschen könnte), ein eifriger, von der überzeugung der
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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