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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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37923. April 1843 tere aber fiel schmälich aus: wenig leute, fast gar keine in uniform, sehr we- nig Applaus, als der erzherzog erschien, und gar keiner nach Absingung des volksliedes.1 der obligate Besuch in der kaiserlichen loge fiel daher auch ziemlich langweilig aus, denn der erzherzog schien verstimmt. tags darauf lasen wir dann in der Zeitung von der fervidi voti und vivi und ripatuti ap- plaudi etc., so schreibt man die geschichte. ich weiß nicht, warum man sich die mühe gibt, Anhänglichkeit erzwingen und erbetteln zu wollen. die leute mögen uns nun einmahl nicht, und das Beste wäre de prendre son parti. mit meiner reise nach triest sieht es sehr übel aus: der vicedelegat ist noch immer krank, und ehe er hergestellt ist, kann ich an keine noch so kurze entfernung denken. Am 8. may fängt die rekrutierung an, und von da an kann ohnehin davon keine weitere rede seyn, besonders da sie bey der vorauszusehenden schwäche des vicedelegaten mir wahrscheinlich zum theile zufallen dürfte. nebstdem hat mir der delegat so eben eine weitläuf- tige commission übertragen, nämlich zur ermittelung der Ansprüche der stadt mailand an das militär-Aerarium wegen der hiesigen casernen. Auguste schreibt mir, daß sie wahrscheinlich mit ihrer schwester Ame- lie nach deutschland und zwar nach Weimar kommen dürfte. Amelie hat nämlich so eben ihren cousin charles horrocks geheirathet, dessen Bruder schon seit lange in Weimar lebt. diesen wollen sie nun besuchen, und da meint Auguste, solle ich auch dahin kommen. das paßt aber nicht in meinen kram. es ist zwar meine Absicht, im kommenden sommer, nämlich ende July, so wie meine Prüfungszeit (nämlich die vom kaiser bestimmten sechs monathe) vorüber ist,2 eine reise nach deutschland und den deutschen Bä- dern zu unternehmen und mich da solange als wie immer möglich (vielleicht auch den nächsten Winter über) aufzuhalten, doch fühle ich keinen Beruf, mich in diese langweilige region unseres vaterlandes zu verlieren, zudem fürchte ich eine entrevue mit Auguste schon für sich allein, denn meine einstmalige liebe ist so komplet verflogen, daß ich sehr verlegen wäre, ihr wieder gegenüber zu treten. Weiber sehen scharf, und ich möchte ihr gerne diese kränkung ersparen, welche für sie gewiß eine unheilbare seyn würde. ich höre noch immer von Zeit zu Zeit von „oesterreich und seiner Zu- kunft“ sprechen und die sonderbarsten conjecturen machen. der gérant der hiesigen tendler und schäferschen Buchhandlung, Welsch, ist eben jetzt auf reisen in Wien und deutschland und wird die leipziger messe 1 die sog. volkshymne oder kaiserlied nach der melodie von Joseph haydn. Während der regierungszeit kaiser ferdinands wurde ein text von frh. Josef christian v. Zedlitz ver- wendet (segen östreichs hohem sohne, unserm kaiser ferdinand!). 2 gemeint ist die neuerliche Prüfung von Andrians Beförderungsgesuch, vgl. eintrag v. 15.2. 1843.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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