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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher394 gewesenen Pächter Bregart ein geschäft in ordnung brachte und endlich mehrere Briefe zu schreiben hatte, so wird man sehen, wie beschäftigt ich diese tage über war. endlich um 5 uhr ging ich zu stadion essen, wir waren ganz allein, da- her umso mehr gelegenheit sich auszusprechen. doch roulirte das gespräch während des essens über andere gegenstände, über dienstsachen, über Pi- sino, über allgemeine dinge, etc. kaum aufgestanden, erschien Waldstein, was uns dann wieder störte, und erst als er fort war, fing ich an, recapitulirte kurz, was seit dem Jahre, als ich mich mit dieser reise beschäftige, in dieser Angelegenheit geschehen, welche die nothwendigkeit, dieselbe jetzt endlich zur reife zu bringen, setzte ihm die gründe auseinander, weßhalb ich mich nicht gerne direkt an kübeck wenden wollte, weil ich nämlich besorgte, daß die sache dann in den gewöhnlichen bureaukratischen Weg geleitet werden und dann wahrscheinlich nicht nur selbst zunichte werden, sondern mir auch bey meinen chefs gerade in diesem momente schaden dürfte, und daß ich daher zu erfahren wünschte, ob er (stadion) ein von mir an ihn gerichtetes mémoire annehmen und an kübeck mit warmer fürsprache vorlegen würde? er antwortete noch viel länger, legte mir ein förmliches glaubensbekennt- nis ab, sagte, er habe die mission nach indien veranlaßt nicht so sehr wegen indiens selbst, als weil egypten auf dem Wege liege und berufen sey, in kom- merzieller hinsicht eine österreichische Provinz zu werden, er habe bey die- ser gelegenheit gesehen, daß es in österreich gar niemand gebe, der unsere industrie genau kenne, welche kenntniß doch eine conditio sine qua non sey, auf jeden fall müßte ich also nebst einem theoretisch-technischen studium des fabrikwesens auch Waarenkenntniß und dann jene specielle kenntniß unserer industrie besitzen, die ich mir, sowie die gegenwärtig reisenden ost- indischen commissärs erichsen und schwarzer, nur durch eine vorläufige Bereisung unserer fabrikländer erwerben könne. er sey überhaupt sehr für alles reisen, halte die von mir projectirte für sehr nützlich, obwohl er süd- amerikas Wichtigkeit nicht so hoch anschlage als ich, und würde daher un- ter obigen voraussetzungen ganz gewiß für mich sprechen. obwohl er nun glaube, daß ich jene theoretischen kenntnisse bereits besitze, so müsse er doch noch jene vorläufige rundreise postuliren, und eben weil er ein direkt an ihn eingereichtes mémoire nur unter dieser voraussetzung unterstützen könnte, so würde kübeck die natürliche rückfrage machen: gibt es denn aber keinen, bey welchem diese voraussetzung schon wirklich erfüllt ist? so wie die andre nicht weniger natürliche: Wenn sie von der Wichtigkeit der sache so überzeugt sind, warum haben sie gewartet, bis sie von außen her movirt wurde? sein rath wäre daher, mein mémoire an kübeck zu richten, und es dahin zu bringen, daß dieses direkt an stadion geleitet würde, ohne früher den gewöhnlichen kanzleyweg an meine chefs etc. zu gehen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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